32. Internationale Jännerrallye

Der polnische Meister gewann überlegen die 32. Internationale Jännerrallye mit über sieben Minuten Vorsprung. Noch klarer dominierte Raimund Baumschlager den Nationalen Bewerb.

Freistadt im Mühlviertel war auch heuer wieder Start- und Zielort der Jännerrallye. Sie bildete erneut den Auftakt zur ERC (FIA European Rally Championship). Für Österreich bedeutete dieser Rallyeklassiker gleichzeitig den Auftakt zur heimischen Rallye-Staatsmeisterschaft. Auf Grund der winterlichen Bedingungen war das Interesse der Rallyefans besonders groß, man konnte rund 140.000 Zuschauer an den drei Veranstaltungstagen in der Region begrüßen. 

66 Mannschaften waren am Start. Der unmittelbar vor Beginn einsetzende intensive Schneefall erreichte am Sonntag und Montag seinen absoluten Höhepunkt. Die Bedingungen stellten an die Aktiven und ihre Teams hohe Anforderungen, die aber glänzend gemeistert wurden.

Wenn ein Pilot 17 von 18 Sonderprüfungen einer Rallye gewinnt, dann ist dieser Mann nicht nur der rechnerisch logische, sondern auch der hochverdiente Sieger dieses Events. Und höchst verdient hat sich Kajetan Kajetanowicz den Triumph bei der 32. Jännerrallye allemal. Insgesamt 237.8 Sonderprüfungskilometer bewältigte der 35-jährige Pole im Ford Fiesta R5 um sagenhafte 7:07 Minuten schneller als sein erster Verfolger, der Franzose Robert Consani im Peugeot 207 S2000. Der dritte Platz beim Auftaktlauf zur ERC ging an den Russen Alexey Lukyanuk. Hätte dieser nicht gleich zu Beginn fünf Minuten wegen eines überhitzten Motors verloren, so hätte Kajetanowicz möglicherweise wenigstens einen halbwegs lästigen Spielgefährten auf seinem Erfolgs-Trip durchs tiefwinterliche Mühlviertel gehabt. Lukyanuk erzielte neben einer SP-Bestmarke zum Schluss 15 Mal die zweitbeste Sonderprüfungszeit und fuhr so vom anfänglichen 23. Platz im letzten Moment noch aufs Siegespodest. In der letzten Sonderprüfung überholte er den Tschechen Jaromir Tarabus.   

Kommentare der ersten Drei:

Kajetan Kajetanowicz: „Eine fantastische Rallye. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Danke an alle, die uns unterstützt haben. Es ist großartig, einfach unglaublich.“

Robert Consani: „Es ist verrückt. Ich bin glücklich! Perfekt!“

Alexey Lukyanuk: „Platz drei ist ein herrliches Gefühl. Es war ein einfach ein Vergnügen, bei dieser Rallye zu fahren.“

Den Part des besten Österreichers im ERC-Feld sicherte sich Martin Fischerlehner mit einem tollen fünften Platz. Um diesen lieferte sich der  Freistädter Lokalmatador lange Zeit einen harten Kampf mit dem Junioren-Welt- und –Europameister Stephane Lefebvre. Als der französische Jungstar aber vor SP 15 bei Unterweißenbach  eine Zeitkontrolle zu spät passierte und deshalb disqualifiziert wurde, war der Weg für Fischerlehners Top-Five-Traum frei: „Wir sind unheimlich stolz auf diese Leistung“, meinte der Mühlviertler im Ziel. „Das ist unsere Heimrallye und damit etwas ganz Besonderes.“

Leider mussten die restlichen Österreicher im ERC-Bewerb vorzeitig die Segel streichen. Für Hermann Neubauer (lange Zeit Vierter) war schon am ersten Tag Schluss (Öldruck-Problem). Auch Johannes Keferböck musste wegen eines technischen Defekts aufgeben. Er nützte jedoch am zweiten Tag die Restart-Möglichkeit, um wenigstens noch für seinen WM-Einsatz bei der Rallye Monte Carlo zu testen. Für die Gesamtwertung wurde er regelkonform nicht mehr berücksichtigt.

Endstand ERC nach 18 Sonderprüfungen

1. Kajetanowicz/Baran       POL/POL   Ford Fiesta R5             2:50:52,6 Std
2. Consani/Vilmot              FRA/FRA   Peugeot 207 S2000       +7:07,4 Min
3. Lukyanuk/Chervonenko BLR/BLR   Ford Fiesta R5               +8:28,1
4. Tarabus/Trunkát            TCH/TCH   Skoda Fabia S2000       +8:48,8
5. Fischerlehner/Unterweger AUT/AUT Mitsubishi Evo IX R4    +22:38,6 
6. Hirschi/Landais                SUI/SUI  Peugeot 208 T16         +27:26,9
7. Tlustak/Kucera                TCH/TCH Skoda Fabia S2000     +27:29,7
8. Stajf/Rajnoha                  TCH/TCH Subaru Impreza STi   +28:18,6
9. Botka/Mihalik                  UNG/UNG Mitsubishi Evo IX R4   +30:38,5
10. Raoux/TEscartefigue      FRA/FRA  Ford Fiesta R5            +35:00,5

ORM

Wie Kajetan Kajetanowicz in der ERC pflügte im Nationalen Feld der Internationalen Jännerrallye Raimund Baumschlager durch seine oberösterreichische Heimat. Der österreichische Meister holte alle 18 Sonderprüfungsbestzeiten und gewann diese Wertung mit der Ewigkeit von neuneinhalb  Minuten Vorsprung.

Baumschlager: „Ich bin hochzufrieden. Auch wenn ich in der ERC gestartet wäre, gegen Kajetanowicz hätte ich keine Chance gehabt. Zum Ende hin habe ich Geräusche beim Auto gehört, deshalb war ich gezwungen, etwas langsamer zu fahren. Das hat mir leider einen Punkt in der Powerstage gekostet.“

Platz zwei ging an den 21-jährigen Simon Wagner aus Mauthausen. Dass er diesen mit einem Mazda 323 Baujahr 1993 erreichte, gehört zu den heimlichen Überraschungen  der heurigen Auflage. „Ich fühle mich einfach großartig. Es ist für sensationell, so einen Platz zu belegen. Ich war im Großen und Ganzen fehlerlos unterwegs, was bei diesen Bedingungen an ein Wunder grenzt. Da ich mit dem Kartsport aufgehört habe, konzentriere ich mich voll auf den Rallyesport. Was genau ich machen werde, werden die Sponsoren entscheiden.“

Schließlich durfte sich mit Ernst Haneder noch eine Mühlviertler Ikone über den dritten Platz in der Nationalen Wertung freuen. Der 13-fache Jännerrallye-Teilnehmer nahm diese Platzierung dankend an. „Das war eine tolle Rallye, ein tolles Team, eine tolle Beifahrerin und ein tolles Match mit Simon Wagner. Das Wetter ist mir sehr entgegengekommen, und wir haben sehr viel Spaß gehabt.“

Endstand National nach 18 Sonderprüfungen

1. Baumschlager/Wicha       AUT/DEU     Skoda Fabia S2000       2:57:28,8 Std
2. Wagner/Wiklhofer           AUT/AUT      Mazda 323                     +9:31,1 Min
3. Haneder/Aigner              AUT/AUT      Mitsubishi Evo IX R4      +12:37,0
4. Traxl/Etzlsdorfer             AUT/AUT      Mitsubishi Evo III          +18:26,9
5. Stürmer/Zauner             AUT/AUT      Audi Coupe Quattro       +20:22,1

6. Desl/Gimpl                      AUT/AUT      Mitsubishi Evo VII         +20:31,2

7. Bachler/Zach                   AUT/AUT      Subaru Impreza WRX   +22:31,3

8. Königseder/Königseder    AUT/AUT      Lancia Delta Integrale   +25:57,8

9. Manzenreiter/Perneder     AUT/AUT      Audi Coupe S2             +30:25,8

10. Stütz/Holzer                   AUT/AUT      Mitsubishi Evo III         +32:14,2

Punktestände in der österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft 2015 nach dem ersten Lauf. Weil die Jännerrallye internationalen Status hat, sind unter anderem auch die Starter aus Polen, Tschechien und Ungarn für die ORM bzw. ORM-2 punkteberechtigt.

ORM: 1. Kajetan Kajetanowicz (Pl) 28 Punkte, 2. Raimund Baumschlager (Ö) 19, 3. Jaromir Tarabus (Tch) 17, 4. Ernst Haneder (Ö) 12, 5. Martin Fischerlehner (Ö) 10.

ORM-2: 1. Slawomir Ogryzek (Pl) 27 Punkte, 2. Daniel Wollinger (Ö)18, 3. Kristof Klausz (Ung) 16.

Nächster Rallye-Staatsmeisterschaftslauf

27./28. März 2015 Rebenland-Rallye in Leutschach, STMK

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