Autofahren darf nicht zum Privileg werden

Autofahren darf nicht zum Privileg werden – Die Zahlen einer aktuellen OpinionWay Studie sind mehr als nur eine Momentaufnahme. Sie sind ein Weckruf. Ein Weckruf an eine Politik, die seit Jahren von der Mobilitätswende spricht, dabei aber immer öfter jene Menschen aus den Augen verliert, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind.
81 Prozent der Österreicher empfinden den eigenen Pkw mittlerweile als Luxus. Neun von zehn sagen gleichzeitig, dass sie ohne Auto ihren Alltag nicht bewältigen könnten. Das klingt paradox – ist aber die Realität in einem Land, in dem hunderttausende Pendler, Handwerker, Außendienstmitarbeiter oder Familien im ländlichen Raum schlicht keine Alternative zum eigenen Fahrzeug haben.
Mobilität ist kein Luxus. Mobilität ist Voraussetzung für Arbeit, Bildung, medizinische Versorgung und wirtschaftlichen Erfolg. Genau deshalb sollten diese Zahlen in Wien sämtliche Alarmglocken schrillen lassen.
Auto ist kein Luxus, sondern Lebensrealität
Stattdessen erleben Autofahrer seit Jahren eine Politik der schrittweisen Verteuerung. Da ist die CO₂-Bepreisung, die den Kraftstoff kontinuierlich teurer macht. Da sind steigende motorbezogene Versicherungssteuern, höhere Werkstattkosten, explodierende Ersatzteilpreise, immer höhere Versicherungsprämien und eine Inflation, die den Menschen ohnehin bereits tief in die Geldbörse greift.
Natürlich lassen sich nicht alle Preissteigerungen der Politik anlasten. Internationale Krisen, Energiepreise und geopolitische Konflikte wirken sich ebenfalls auf die Kosten aus. Aber genauso wenig kann man ignorieren, dass politische Entscheidungen die finanzielle Belastung zusätzlich erhöhen. Wer Mobilität immer teurer macht, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen den Anschluss verlieren.
Die Studie zeigt auch die Folgen schwarz auf weiß. 62 Prozent verzichten bereits auf Fahrten, obwohl sie diese eigentlich machen würden. Fast vier von zehn verschieben den Fahrzeugwechsel. Jeder Vierte spart sogar bei Wartung oder Reparaturen. Genau hier beginnt eine gefährliche Entwicklung. Wer aus Geldmangel notwendige Servicearbeiten hinausschiebt, gefährdet nicht nur den Wert seines Fahrzeugs, sondern unter Umständen auch die Verkehrssicherheit.
Junge Menschen stehen besonders unter Druck
Besonders betroffen ist ausgerechnet die junge Generation. Sieben von zehn 18- bis 24-Jährigen geben an, dass das Auto mittlerweile der größte Kostenblock ihres Budgets ist. Ausgerechnet jene Generation also, die eigentlich Vermögen aufbauen, Familien gründen und wirtschaftlich Fuß fassen sollte.
Parallel dazu wird den Menschen vermittelt, sie müssten möglichst rasch auf Elektroautos umsteigen. Doch die Realität sieht anders aus. Viele können oder wollen sich den Umstieg derzeit schlicht nicht leisten. Dass lediglich die Hälfte der Österreicher beim nächsten Autokauf ein Elektro- oder Hybridfahrzeug in Betracht zieht und eine Mehrheit die Aussetzung des Verbrenner-Verbots begrüßt, ist deshalb weniger Ausdruck einer Technologiefeindlichkeit als vielmehr ein Hilferuf nach Planbarkeit und Leistbarkeit.
Klimaschutz braucht die Menschen – nicht neue Belastungen
Die Politik täte gut daran, diese Botschaft ernst zu nehmen. Klimaschutz ist wichtig. Darüber gibt es kaum Diskussion. Aber Klimaschutz funktioniert nur dann dauerhaft, wenn die Bevölkerung ihn auch mittragen kann. Wer ständig neue Abgaben einführt, gleichzeitig Förderungen kürzt oder verändert und den Menschen immer neue Unsicherheiten präsentiert, gefährdet genau diese Akzeptanz.
Österreich gehört schon heute zu den Ländern mit einer besonders hohen Steuer- und Abgabenquote. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten, die Energiekosten und die Mobilitätskosten nahezu im Gleichschritt. Viele Familien haben längst das Gefühl, dass jede politische Entscheidung am Monatsende eine weitere Rechnung bedeutet.
Ein deutliches Signal an die Politik
Die Studie bestätigt dieses Stimmungsbild eindrucksvoll. 91 Prozent wünschen sich einen Preisdeckel für Treibstoffe, 85 Prozent sprechen sich für eine befristete Senkung der Mineralölsteuer aus. Das sind keine Einzelmeinungen frustrierter Autofahrer. Das ist eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung.
Mobilität darf jedoch nicht zum politischen Spielball werden. Wer Österreich als Wirtschaftsstandort erhalten will, muss den Menschen ermöglichen, zur Arbeit zu kommen, Kunden zu besuchen oder Waren zu transportieren – und zwar zu vertretbaren Kosten.
Die Verkehrswende wird nicht gelingen, wenn Autofahrer ausschließlich als Einnahmequelle betrachtet werden. Sie gelingt nur mit Technologieoffenheit, fairen Rahmenbedingungen und einer Politik, die wirtschaftliche Realität und ökologische Ziele miteinander verbindet.
Die Studie zeigt unmissverständlich: Nicht das Auto ist das Problem. Das eigentliche Problem ist, dass sich immer mehr Menschen ihre Mobilität kaum noch leisten können. Und genau das sollte die Politik endlich zum Handeln bewegen – bevor individuelle Mobilität tatsächlich zum Privileg weniger wird. hak


