Cupra – Härtetest im Lappland-Eis

Cupra bat zum Härtetest des Born und Formentor VZ5 im Lappland-Eis. In Rovaniemi am Polarkreis in Nordfinnland. Dorthin hatte Cupra zu Probefahrten geladen. Wie würde der junge Cupra-Stromer Born mit arktischen Temperaturen fertig werden? Und wären die 287 kW/390 PS des SUV nicht doch etwas zu viel auf spiegelglatten Fahrbahnen? Diesen Fragen durfte eine Handvoll Journalisten auf dem Rovaniemi Driving Center, ein paar Kilometer nördlich der lappländischen Hauptstadt, sowie auf zugeschneiten Seitenstraßen ringsum nachgehen.

Als Basislager hatten die Cupra-Gastgeber die mitten im Wald gelegene, 17 Hektar große und streng abgeschirmte Anlage gewählt. Dort bieten verschiedene Strecken optimale Rahmenbedingungen, um die Fähigkeiten von Autos auszuprobieren. Sowohl deren Balance bei Schnee oder ihre Wendigkeit auf spiegelglattem Eis. Daher genießt das Rovaniemi Driving Center nicht nur bei Kraftfahrzeug-Entwicklern, sondern auch bei Rallye-Profis einen sehr guten Ruf als Testparcour.

Keine Probleme für den Born

Längst hat der Klimawandel den Polarkreis erreicht. In den ersten Märztagen herrschten rund um Rovaniemi statt der dort sonst üblichen 20 bis 30 Minusgraden nur Temperaturen knapp unter null. Elektrik und Batterie des Cupra Born standen daher vor keinerlei Problemen und zeigten ähnliche Eigenschaften in punkto Reichweite (um die 250 Kilometer) wie bei winterlichen mitteleuropäischen Verhältnissen. Dennoch waren die meisten Tester und Testerinnen neben der wärmenden Klimaanlage dankbar für das beheizte Lenkrad.

Was in mittleren Breitengraden bis auf ein paar Alpenstrecken kaum mehr möglich ist, nämlich das Fahren auf schneebedeckten Sträßchen abseits geräumter Wege, gehört im finnischen Norden immer noch zum Alltag. Hier machten sich der niedrige Schwerpunkt im Cupra Born und seine sehr gut ausgewogene Gewichtsverteilung von halb und halb zwischen vorne und hinten positiv bemerkbar.

Cupra Born im Finnland-Härtetest

Heckantrieb und Gewichtsverteilung

Die Vorteile seines Hinterradantriebs zeigten sich aber besonders deutlich beim Testen der Traktion. Bei Unter- und Übersteuern und der Fähigkeit seines elektronischen Systems, auf Eis einen Hochgeschwindigkeitsslalom zu bewältigen. Im flott gefahrenen Slalom nämlich lässt sich zwar ein Drift mit der Handbremse einleiten, nicht aber halten. Dafür fehlt die Antriebskraft an den Hinterrädern. Hätte der Wagen Vorderradantrieb, würde er über die Vorderräder aus der Kurve schieben, also untersteuern. Und bei zu hoher Geschwindigkeit weiter geradeaus fahren. Im Gegensatz dazu neigt ein Auto mit Heckantrieb zum Übersteuern, was zum Ausbrechen des Hecks führt. Und genau das ist beim forschen Ritt durch eng gestellte Pylone gewünscht. Dass so etwas nicht zum Dreher führt, ist dem niedrigen Schwerpunkt und der 50-zu-50-Gewichtsverteilung zu verdanken. Chapeau also dem Cupra Born unter solchen Bedingungen.

Schon 287 kW/390 PS auf regennasser Straße zu zügeln, gehört nicht gerade zu den einfachsten Tätigkeiten am Steuer eines Fahrzeugs. Wie ist so etwas bei schneebedeckter Fahrbahn zu erreichen? Um das zu erfahren, hatten die Organisatoren einen etwa 40 Kilometer langen Rundkurs durch finnische Wälder ausgesucht. Während die Hauptverkehrsstraßen nahezu schnee- und eisfrei gehalten waren, herrschte hier tiefster Winter mit allem, was dazu gehört.

Cupra Formentor VZ5

Cupra Formentor VZ5

Der schien mit seinem Fünfzylindermotor der Tiefwinter dank seines Vierradantriebs, seiner progressiven Lenkung und seines schnell schaltenden Getriebes völlig egal zu sein. So kam bei denen, die hinterm Lenkrad saßen, sehr schnell Fahrfreude auf. Warum in zügig gefahrenen Kurven bei glattem Untergrund das Heck gewollt und kontrolliert ausbricht? Das liegt daran, erklärten die Cupra-Fachleute, dass ein sogenannter Torque-Splitter auf der Hinterachse die Kraft des Motors elektrohydraulisch über zwei unabhängige Kupplungen variabel an die beiden Hinterräder verteilt. Das bedeutet, dass das Drehmoment während der Kurvenfahrt zwischen dem linken und dem rechten Hinterrad umgelagert werden kann, was den Wagen wendiger macht.

Fahrspaß mit Drift-Modus

Für noch größeren Fahrspaß bauten die Cupra-Leute einen gesondert zuschaltbaren Drift-Modus in das Fahrwerk des Formentor ein. In diesem Modus wird das elektronische Stabilitätsprogramm ESC komplett abgeschaltet. Jetzt ermöglicht es der Torque-Splitter, die volle Kraft auf ein Hinterrad abzugeben, um das Auto quer in eine Kurve zu schicken. Wohlgemerkt: Der Drift-Modus ist allein für pures Vergnügen und Fahrspaß auf abgesperrter vereister Fahrbahn gedacht. Für nichts anderes. In Finnland sorgte er auf vereister Slalomstrecke allerdings dafür, dass die Lenkraddreher eine Zeitlang so etwas wie juvenilen Übermut empfanden und sich im Cupra Härtetest im Lappland-Eis auch so benahmen.

hrr/aum