E-Mobilität: Wird China zur starken Nation?

China hat sich zum größten Automobilmarkt der Welt entwickelt und die Grenzen konventioneller Mobilität erfahren. Die E-Mobilität führte lange ein Schattendasein und Elektrofahrzeuge wurden fast ausschließlich von Staatsbetreiben oder als Taxis eingesetzt , jetzt plant Peking im Rahmen des aktuellen Fünf-Jahresplans bis zum Jahr 2020 fünf Millionen Elektromobile auf die Straßen zu bringen.

Bereits im kommenden Jahr sollen 30 Prozent der staatlichen Fahrzeuge einen batterieelektrischen Antrieb oder mindestens einen Hybridmotor besitzen. Gleichzeitig wird die Ladeinfrastruktur zügig ausgebaut (unter anderem in Zusammenarbeit mit ABB), und die potenziellen Kunden mit Geldgeschenken gelockt, um von konventionell angetriebenen Modellen auf Stromer umzusteigen. Je nach Region können die Zuschüsse umgerechnet bis zu 17.000 Euro betragen. Gleichzeitig erhalten die E-Mobilisten ohne Wartezeiten und zusätzliche Kosten ein Kennzeichen. In Shanghai zum Beispiel werden die Zulassungen inzwischen versteigert, wobei ein Kennzeichen mit 10.000 Euro zu Buche schlägt.

Dabei verfolgt die Regierung nicht nur umweltpolitische Ziele. Im März 2012 hat das Ministery of Science and Technology beschlossen, China von einer „Großen Nation“ der Automobile zu einer „Starken Nation“ aufzubauen. Im vergangenen Jahr kamen rund 75.000 Elektroautos neu auf die Straßen. Aktuell erreichen chinesische Autokonzerne einen Marktanteil von 40 Prozent. Offensichtlich hat Peking nicht nur den heimischen Markt im Visier.

BYD
BYD

Inzwischen stammen die meisten E-Mobile in China aus heimischer Produktion. Und in Zukunft wird sich daran wenig ändern. SAIC Motor Corp. plant, in den kommenden fünf Jahren rund drei Milliarden Euro in die Entwicklung alternativ angetriebener Modelle zu stecken. Außerdem kündigte das Unternehmen an, in den nächsten fünf Jahren 50.000 Ladestationen im Land aufzubauen. Volvo-Eigentümer Geely geht noch einen Schritt weiter und wird sich in Zukunft fast ausschließlich auf elektrifizierte Modelle konzentrieren.

Aktuell sind die meisten Elektro-Modelle als Taxis, Leihwagen oder Busse unterwegs. Dazu gehört auch der Denza, das erste Daimler-Modell, das außerhalb Deutschlands entwickelt wurde. Denza ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Automobilproduzenten und weltweit größten Hersteller für Smartphon- Akkus BYD (Build Your Dreams). Das Modell im Format der B-Klasse kostet in China ungerechnet 45 700 Euro (minus Förderung in Höhe von 14.900 Euro). Damit ist Daimler der erste ausländische Hersteller, der die Pekinger Vorgaben erfüllt und seine Kunden von den staatlichen Förderungen profitieren lässt.
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