Hochleistungsladen an der Brennerroute

Hochleistungsladen an der Brennerroute – Siemens und OMV nehmen in Kufstein ein neues Hochleistungsladesystem in Betrieb. Der Standort an der Brennerroute ist speziell für den wachsenden elektrischen Schwerverkehr interessant – künftig sollen hier Ladeleistungen von bis zu 1.200 kW möglich sein.

Die Elektrifizierung des Verkehrs stellt nicht nur Pkw-Hersteller und Autofahrer vor neue Herausforderungen. Besonders beim Güterverkehr entscheidet die verfügbare Ladeinfrastruktur darüber, wie praxistauglich elektrische Lkw im täglichen Einsatz tatsächlich sind. An der österreichischen Brennerroute wurde nun ein weiterer Schritt in diese Richtung gesetzt: Siemens eMobility und OMV haben in Kufstein das neue Hochleistungsladesystem Sichsichcharge offiziell in Betrieb genommen.

Der Standort ist dabei nicht zufällig gewählt. Die Brennerroute zählt zu den wichtigsten europäischen Verkehrsachsen zwischen Deutschland und Italien und wird entsprechend stark vom Güterverkehr genutzt. Gerade für elektrische Lkw sind Standorte entlang solcher Transitrouten von großer Bedeutung, weil die Fahrzeuge hier möglichst schnell und planbar Energie nachladen müssen.

Das in Kufstein installierte System ist die weltweit erste kommerzielle Anwendung. Zum Start stehen vier Ladepunkte für Pkw und zwei für Lkw zur Verfügung. Jeder dieser Ladepunkte kann eine Leistung von bis zu 400 kW bereitstellen. Damit richtet sich das Angebot sowohl an Elektroautos als auch an den elektrifizierten Schwerverkehr.

Doch damit soll es nicht bleiben. In einem nächsten Ausbauschritt sind vier weitere Ladepunkte für Lkw vorgesehen. Über das sogenannte Megawatt Charging System (MCS) sollen dort Ladeleistungen zwischen 600 und 1.200 kW möglich werden. Damit nähert sich die Ladeinfrastruktur beim Schwerverkehr zunehmend den Anforderungen an, die vom klassischen Tankvorgang bekannt sind – auch wenn die technischen Rahmenbedingungen weiterhin andere sind.

Siemens nennt ein konkretes Beispiel: Ein moderner elektrischer Lkw mit einer 620-kWh-Batterie könnte mit der entsprechenden Ladeleistung in rund 45 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden. Diese Zeit lässt sich mit der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrpause kombinieren. Für Speditionen ist genau dieser Punkt entscheidend, denn Ladezeiten dürfen im täglichen Transportbetrieb möglichst nicht zu zusätzlichen Standzeiten werden.

Eine Besonderheit von ist auch die dynamische Leistungsverteilung. Die verfügbare elektrische Leistung kann abhängig vom aktuellen Bedarf auf die angeschlossenen Fahrzeuge verteilt werden. Das System ist zudem modular aufgebaut und kann von 480 kW bis zu 1,68 MW skaliert werden. Dadurch soll es sich an unterschiedliche Einsatzbereiche und wachsende Anforderungen eines Standorts anpassen lassen.

Auch das Umfeld wurde in Kufstein auf die Bedürfnisse des Schwerverkehrs abgestimmt. Neben der neuen OMV-eMotion-Ladeinfrastruktur stehen den Lkw-Fahrern unter anderem Duschen, Restaurants und Waschmaschinen zur Verfügung. Damit wird der Ladepunkt nicht ausschließlich zur technischen Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Stromnetz, sondern Teil eines umfassenderen Rast- und Versorgungsangebots.

OMV will den Ausbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur weiter vorantreiben. Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits weitere SICHARGE-FLEX-Systeme für Standorte in Österreich bestellt. Ergänzt wird die Ladehardware durch die cloudbasierte Siemens-Lösung Sifinity Control, mit der Ladeinfrastruktur überwacht und gesteuert werden kann.

Für die Elektromobilität im Güterverkehr ist der Ausbau solcher leistungsfähiger Ladepunkte ein wesentlicher Baustein. Während bei Pkw zunehmend die Verfügbarkeit von Schnellladern entlang wichtiger Verkehrsverbindungen im Mittelpunkt steht, geht es beim Lkw zusätzlich um hohe Ladeleistungen, kurze Standzeiten und eine möglichst effiziente Nutzung der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen.

Mit dem Standort Kufstein entsteht damit ein weiterer Baustein für die Elektrifizierung einer der wichtigsten Transitachsen Europas. Entscheidend wird in den kommenden Jahren sein, wie schnell vergleichbare Ladeangebote entlang der gesamten Strecke verfügbar werden – denn elektrische Lkw benötigen nicht nur leistungsfähige Fahrzeuge, sondern auch ein entsprechend leistungsfähiges Netz.