Honda Civic Type R

Nicht einmal 110 Euro pro PS verlangt Honda für den Civic Type R und bietet dem Käufer gleichzeitig den Ruf, den leistungsstärksten und schnellsten Kompaktwagen mit Frontantrieb zu fahren.

Machen wir es erst einmal kurz: 310 PS, 400 Newtonmeter Drehmoment, 270 km/h Spitze und 5.7 Sekunden für den Standardsprint von null auf 100 km/h – das sind die Eckdaten des neuen Leistungsträgers im C-Segment. Rund fünf Jahre hat es gedauert, bis der von den Fans der Marke schon sehnsüchtig erwartete Type R endlich serienreif war. Aber das Warten hat sich gelohnt, profitiert der R doch auch vom Techniktransfer aus der Tourenwagenweltmeisterschaft.

Sein Potenzial versteckt der potente Honda erst gar nicht groß. Da sticht vor allem der mächtige Heckflügel – der Begriff Spoiler wäre etwas untertrieben – ins Auge, dessen seitliche Spitzen keck beim Blick in die Außenspiegel ragen. Ebenso lässt der große Heckdiffusor mit den beiden Doppelendrohren keine Zweifel an der Performance aufkommen. An der Seite fallen die unteren Schweller und vor allem die „Kieme“ im breiter ausgestellten Kotflügel sowie die Luftauslässe im oberen Radkasten auf.  Da fällt die Front fast schon dezent aus. Bis auf den Splitter und das andersfarbige Kühlgitter ohne Blenden ist der Type R dem normalen Civic hier fast wie aus dem Gesicht geschnitten. Der 2.0 Liter-Turbomotor erweist sich als so drehfreudig wie ein Sauger. Die Höchstleistung gibt er bei 6.500 Umdrehungen pro Minute ab und setzt den roten Bereich 500 U/min später. Das maximale Drehmoment stemmt der Honda bereits ab 2.500 Touren. So baut das Triebwerk ab 2.000 Umdrehungen spürbar Druck auf, erlaubt aber auch Stadtfahrten im fünften Gang bei etwas über 50 km/h und 1500 U/min. Ab 4.000 Touren wird es recht laut im Fahrgastraum. Dabei breitet der Honda einen sonoren Bass als Klangteppich aus. 7.3 Liter Normverbrauch nennt Honda. Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit meldete uns der Bordcomputer etwas über fünf Liter. Bei sportiver Fahrweise überschreitet der Kraftstoffkonsum aber sicher auch den einstelligen Bereich.

Dem Motor angepasst ist das Getriebe mit den nur 40 Millimeter langen Schaltwegen. Die Gassen sind sehr eng geführt, so dass die Ganganzeige durchaus Sinn macht. Sie liegt ebenso wie der Tachometer etwas höher als der große analoge Drehzahlmesser und gut im Blick. Ein Head-up-Display erübrigt sich da. Ergonomisch geformte Schaltgriffe hin oder her, eine Kugel als Knauf ist bei aller Einfachheit wohl immer noch mit das Beste in dieser Hinsicht, wie wir feststellen durften. Lob verdienen auch die Sportsitze mit ihrem zwei Zentimeter tieferem Hüftpunkt, die den Fahrer fest im Griff haben.   Kein Sportler, der heutzutage etwas auf sich hält, kommt ohne Sporttaste aus. „+R“ heißt sie bei Honda. Der Knopf links hinter dem Lenkrad  stellt den Civic dann auf Rennstrecke ein und die Instrumentenbeleuchtung auf Rot um. Die ohnehin schon sehr unmittelbar reagierende Lenkung wird extrem direkt, die Gaskennlinie hochgezogen und vor allem die adaptive Dämpfung noch einmal um 30 Prozent gestrafft. Was für den Rundkurs Sinn macht, rumpelt allerdings auf etwas schlechter gepflegten Landstraßen recht unangenehm, während ohne das zusätzliche R der familientaugliche Fünftürer mit üppigen 490 Litern Kofferraumvolumen durchaus komfortabel federt.

Verlassen kann sich der Fahrer im  Type R auf ein souveränes Fahrwerk. Das ESP wird extrem selten benötigt, und wenn, dann spürt man es kaum. Das schräg verzahnte Sperrdifferenzial sorgt für sehr hohe Kurventraktion.  Die 19 Zoll-Räder sind exklusiv von Continental für den schnellen Civic entwickelt worden. Das Multifunktionsdisplay wurde um einige spezielle Gimmicks erweitert. So lassen sich unter anderem die G-Kräfte, der Bremsdruck und die Gaspedalstellung sowie der Ladedruck abrufen. Ebenfalls ein Bord sind Zeitmesser für die gefahrene Runde, die Beschleunigung von null auf 100 km/h sowie für die viertel Meile. Das optionale GT-Paket beinhaltet ein Navigationssystem, ein Upgrade für die Audioanlage, einen Fernlichtassistenten und eine rote Innenraumbeleuchtung. Erkennbar ist die Top-Version des Topsportlers an dem kleinen roten Zierstreifen im Frontsplitter. Gut angelegt ist die Mehrausgabe aber sicher auch für ein paar Rennstreckenrunden, um das Potenzial des Honda Civic Type R wenigstens einmal im Jahr gefahrlos austesten zu können. Honda hofft, angesichts des im doppelten Sinne des Wortes gebotenen Preis-/Leistungsverhältnisses nicht nur die Markenfans zufriedenzustellen, sondern auch einige neue Anhänger zu gewinnen.

jri/amp

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