LEPAS kommt nach Österreich – Wie viele chinesische Automarken verträgt Europa?

LEPAS kommt nach Österreich – Wie viele chinesische Automarken verträgt Europa? Chery schickt mit LEPAS die nächste Marke ins Rennen – Österreich soll dabei zum Testfeld für den europäischen Markt werden
Der nächste chinesische Angriff auf Europas Automarkt steht bereits vor der Tür. Im ersten Quartal 2027 will man in Österreich starten. Hinter der neuen Marke steht der chinesische Autokonzern Chery, der hierzulande bereits mit OMODA und JAECOO vertreten ist. Nun folgt mit LEPAS die dritte Chery-Marke – und damit stellt sich zwangsläufig eine Frage: Wie viele chinesische Automarken braucht Europa eigentlich noch?
Die Antwort darauf dürfte weniger von der Zahl der Marken als von deren tatsächlicher Qualität, Preisgestaltung und langfristiger Präsenz abhängen. Denn der chinesische Automobilmarkt steckt gleichzeitig in einem harten Verdrängungswettbewerb. Die Hersteller suchen deshalb zunehmend Wachstum außerhalb ihres Heimatmarktes. Chinesische Autoexporte sind 2026 massiv gestiegen, während der heimische Markt in die Knie gegangen ist. Europa wird damit zum wichtigen Absatzmarkt – und könnte dabei eine besondere Rolle spielen.
Österreich als Testballon
Man will hierzulande nicht einfach mit fertigen Produkten auf den Markt kommen und anschließend beobachten, wie sie sich verkaufen. Die Marke will Österreich bereits vor dem offiziellen Start als eine Art Testballon nutzen.
Testfahrten, Langzeiterprobungen mit Medien und der Austausch mit Handelspartnern sollen zeigen, was österreichische Kunden tatsächlich erwarten. Die Ergebnisse sollen sogar in die Ausstattung und Preisgestaltung der Fahrzeuge einfließen.
Das klingt zunächst nach einem kundenorientierten Ansatz. Gleichzeitig stellt sich aber eine andere Frage: Warum gerade Österreich?
Der österreichische Markt ist im europäischen Vergleich klein. Genau das könnte allerdings auch seine Stärke sein. Ein überschaubarer Markt mit gut entwickelten Händlerstrukturen, hoher SUV-Nachfrage und einer relativ hohen Kaufkraft eignet sich durchaus, um ein neues Marken- und Vertriebskonzept unter europäischen Bedingungen zu testen – ohne sofort in den großen Märkten Deutschland, Frankreich oder Italien ins volle Risiko gehen zu müssen.
Österreich könnte damit zum Labor für LEPAS werden: Funktioniert die Marke hier, lassen sich die gewonnenen Erfahrungen anschließend auf größere europäische Märkte übertragen.
Nicht nur eine neue Marke
Besonders interessant wird der Blick auf die Markenstrategie von Chery. OMODA steht stärker für Lifestyle und Technologie, JAECOO für hochwertige SUVs mit Outdoor-Charakter und LEPAS soll nun Eleganz, Kultiviertheit und Komfort verkörpern.
Doch aus Kundensicht stellt sich die Frage: Wie viele unterschiedliche Marken braucht ein Konzern, wenn sich die Produkte technisch und konzeptionell zunehmend überschneiden?
Für die Hersteller hat eine Mehrmarkenstrategie klare Vorteile. Unterschiedliche Zielgruppen können mit unterschiedlichen Logos angesprochen werden, während im Hintergrund Plattformen, Antriebe, Komponenten und Technologien geteilt werden können.
Für den Kunden wird die Sache allerdings komplizierter. Wer soll künftig noch erkennen, welche chinesische Marke zu welchem Konzern gehört? Und welche Marke steht tatsächlich für eine eigenständige Philosophie – und welche ist vor allem ein neues Etikett für eine weitere Modellfamilie?
Europa wird zum umkämpften Spielfeld
Die Entwicklung kommt nicht zufällig. Chinesische Hersteller gewinnen in Europa zunehmend Marktanteile. In den ersten vier Monaten 2026 kamen chinesische Marken in der EU bereits auf rund sechs Prozent der Neuzulassungen – fast doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Bei Elektroautos ist die Entwicklung noch deutlicher. Nach einer Analyse von Transport & Environment entfielen im ersten Quartal 2026 rund 17 Prozent der in der EU verkauften batterieelektrischen Fahrzeuge auf in China produzierte Fahrzeuge.
Die EU versucht inzwischen mit zusätzlichen Zöllen gegenzusteuern. Doch die chinesischen Hersteller reagieren darauf mit Plug-in-Hybriden, lokaler Produktion und neuen Vertriebsstrategien. Die bestehenden Handelsbarrieren haben den Markteintritt also keineswegs gestoppt.
Damit geht es längst nicht mehr um die Frage, ob chinesische Hersteller in Europa Fuß fassen. Die entscheidende Frage lautet inzwischen, wie groß ihr Anteil am europäischen Automarkt werden wird.
LEPAS setzt auf eine andere Karte
LEPAS möchte dabei nicht ausschließlich über den Preis kommen. Die Marke positioniert sich über Design, Komfort, Qualität und Alltagstauglichkeit. Für Österreich sind zunächst drei SUVs vorgesehen: das Spitzenmodell L8 PHEV sowie L6 und L4, die als Plug-in-Hybrid und batterieelektrische Varianten geplant sind.
Noch sind allerdings wesentliche Fragen offen. Die endgültigen Preise stehen ebenso wenig fest wie die komplette Ausstattung und das österreichische Händlernetz. Chery sucht derzeit noch nach geeigneten Partnern; die Auswahl soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen für LEPAS. Ein gutes Auto allein reicht in Europa längst nicht mehr. Eine neue Marke braucht Händler, Werkstätten, Ersatzteile, Finanzierung, Garantieleistungen und vor allem Vertrauen.
Der eigentliche Test beginnt erst 2027
LEPAS kann in Österreich deshalb durchaus interessante Fahrzeuge anbieten. Doch der entscheidende Test wird nicht bei den ersten Pressefahrten stattfinden. Er beginnt, wenn der erste Kunde nach drei Jahren mit seinem Fahrzeug zur Werkstatt fährt.
Denn dann zeigt sich, ob aus einem chinesischen Newcomer eine echte Automarke geworden ist – oder nur eine weitere Marke, die für kurze Zeit mit viel Aufmerksamkeit in den europäischen Markt gedrängt wurde.
Österreich könnte dabei tatsächlich zum Testballon werden. Nicht nur für LEPAS, sondern möglicherweise auch für Cherys gesamte europäische Strategie.
Und damit bleibt am Ende eine durchaus unbequeme Frage: Wie viele chinesische Marken verträgt der europäische Automarkt – und wie viele davon werden in fünf oder zehn Jahren tatsächlich noch übrig sein?


