gerechnet er als Kosmonaut ausgewählt wurde. Matthias Walkner geht zu Beginn seiner Karriere durch die harte MotocrossSchule. „2009 bin ich mit meinem Bruder in 26 Wochen ohne Pause bei 26 Rennen gewesen, von Amerika über Holland bis Bulgarien und Portugal. Am Sonntagabend haben wir die Motorräder verladen und waren am Dienstag vormittags wieder in Österreich. Beim Heimfahren haben wir uns immer abgewechselt.“ Im Halbschlaf zigtausender Autobahnkilometer reift ein Champion. 2012 holt Matthias Walkner den WM-Titel in der MX3. „Mir war da schon klar, dass ich mit viel Leidenschaft, mit Einsatz und Herzblut diese zehn Prozent kompensieren kann, die mir an Talent vielleicht fehlen.“ Aufbruch in eine neue Dimension Ein Aufstieg in die nächsthöhere Motocross-Kategorie wäre der logische Schritt. Doch es kommt anders. „Ich habe die Fahrer bei der Dakar-Rallye immer bewundert. Aber es war nie das, was ich selbst machen wollte. Diese berühmten Bilder von Motorrädern in der Wüste sind reizvoll. Aber man denkt als Aktiver doch immer zuerst an die negativen Dinge. 1,6 Tote im Schnitt pro Jahr.“ Ein gemeinsamer Motorradtrip mit Heinz Kinigadner nach Tunesien bringt 2014 das Umdenken. Und eine Hassliebe zum neuen Metier: „Beim Motocross war ich es gewohnt, an einem Wochenende zwei bis drei Stunden am Motorrad zu sitzen. Jetzt waren es plötzlich elf Stunden an einem Tag.“ Die erste Dakar-Teilnahme wird daher zum Kulturschock. „Ich dachte mir, ich kann genauso gut Motorradfahren wie alle anderen hier. Die fahren halt ein bisschen länger. Ich war dreißig und dachte mir, ich bin gut vorbereitet. Schlafentzug macht mir nichts aus. Das kenne ich von früher vom Fortgehen noch gut“, lacht Walkner und gibt zu: „Es bricht dich nach drei oder vier Tagen, wenn du nie zum Schlafen kommst.“ Fortan sind Schlaftabletten und Ohropax im Reisegepäck fix dabei. Der größte Tag Am 20. Jänner 2018 überquert Matthias Walkner im argentinischen Cordoba als Dakar-Sieger die Ziellinie. 9000 Kilometer in 14 Tagen liegen hinter ihm. Freilaufende Wildtiere, falsch geschriebene Roadbooks, umfallende Bäume und noch einiges mehr inklusive. „In diesem einen Moment bekommst du alles zurück. Ich bin so glücklich und dankbar für diesen Tag. Denn die andere Seite unseres Sports habe ich schon ausreichend kennengelernt.“ In Südamerika, wo die Dakar 11 Jahre lang ausgetragen wurde, ist Walkner mindestens so populär wie in Mattighofen und Umgebung. „4 Millionen Zuseher sind live dabei gewesen. In Buenos Aires standen 650.000 Leute fast 40 Kilometer Spalier. Das war Euphorie, dieses Leuchten in den Augen.“ Das bekommt der KTMWerksfahrer übrigens regelmäßig, wenn er das Sinneserlebnis einer Wüstenrallye anspricht. Bei ihm klingt das wie eine Liebeserklärung an seinen Sport: „Bei meiner ersten Rallye 2014 wurde mir klar: Ich habe nach sieben Tagen mehr Bilder im Kopf als nach einer kompletten MotocrossSaison. Leider fliegt bei uns der TV-Hubschrauber immer nur fünf Kilometer lang mit. Und wir haben auch keine Onboards „Mit Leidenschaft, Einsatz und Herzblut kann ich diese zehn Prozent kompensieren, die mir an Talent fehlen.“ SPORTMAGAZIN Die Krönung einer Karriere: Dakar-Sieg 2018 ALL MOBILITY – automagazin.at 02|2023 68
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