P.b.b GZ02Z034771 M Ausgabe 4/22 Euro 5,50 Röhrl im Mirai KTM X-BOW GT-XR Renault Megane E-Tech vs. Cupra Born MG 4 Electric Exklusiv-Interview FIA-Präsident VW ID.Buzz Erste Ausfahrt Skoda Fabia RS Rally2 Exklusiv-Tracktest DER LETZTE 12-ZYLINDER? Ferrari Purosangue
RENAULT CAPTUR E-TECH HYBRID renault.at 1 Angebot von Renault Financial Services (ein Geschäftsbereich der RCI Banque SA Niederlassung Österreich), gültig nur für Verbraucher von 01.09.2022–30.09.2022 bei allen teilnehmenden Renault Partnern. Berechnungsbeispiel: Captur Techno E-Tech Hybrid 145, monatliche Rate: € 157,–, Barzahlungspreis € 30.090,– (inkl. Modellbonus i. H. v. € 1.000,–, Finanzierungsbonus i. H. v. € 500,– und HEV Bonus i. H. v. € 1.000,–), Gesamtleasingbetrag € 21.063,–, Laufzeit 36 Monate, Kilometerleistung 10.000 km p.a., Anzahlung € 9.027,–, Restwert € 18.886,–, Bearbeitungsgebühr € 464,–, Vertragsgebühr € 147,–, fixer Sollzinssatz 4,99 %, effektiver Jahreszins 6,1 %, Gesamtbetrag € 24.685,–. Symbolfoto. 2 Aktion Alu-Winterkompletträder gratis gilt für Verbraucher bei Kaufvertragsabschluss eines neuen Renault Pkw von 01.09.2022–30.09.2022, ausgenommen Twingo E-Tech Electric, Megane E-Tech Electric, Zoe E-Tech Electric, Master & Trafic Pkw und Twizy. Kombinierter Verbrauch von 1,3–6,3 l/100 km, CO2-Emission von 32–143 g/km, homologiert gemäß WLTP. Leasing schon ab € 157,– /Monat1 jetzt bei den Renault E-Tech Wochen inkl. 4 Alu-Winterkompletträder2
BEI ZWEI SACHEN WIRD EIN MANN NIE ZUGEBEN, DASS ER SIE NICHT GUT KANN: SEX UND AUTOFAHREN. STERLING MOSS BRITISH RACING GREEN BENTLEY CONTINENTAL GT ⁄ 4,8 - 15,7 - 60,0 SEC 318 KMH ⁄ 5998 CCM ⁄ W12 ⁄ 560 PS ⁄ 650 NM WWW.DIETER-HUBER.COM ⁄ ZWISCHENGAS_06
INHALT News 06 KTM X-BOW GT-XR Batman returns 08 Kangoo E-Tech & Master Van Elektropraxis 09 V W Golf R 20 Years Jubiläumskracher 10 Porsche Ladies Safety Day 2022 11 Lifestyle 12 Bücher Titelthema 56 Ferrari Purosangue Souveränes Ass am Tracktest 64 Skoda Fabia RS Rally2 Frühflug Magazin 34 Seat und Cupra Chefdesigner Jorge Díez im Interview Ein Geist von Traum und Emotion Long Run 48 Porsche 911 Platzhirsch forever Reise 54 Reisetrends 2022 Caravaning ist nicht zu bremsen 2-Rad 70 Vespa Primavera Pic Nic Passione tricolore Interview 60 H ello Mister President! FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem im exklusiven Interview 72 Termintacho 73 Impressum 74 Rückstrahler 75 Vorschau Roadbook 36 A lpine A110 GT Méthode traditionnelle 38 V W T-Roc Cabriolet R-Line Offen & einzigartig 39 P eugeot 308 GT PACK BlueHDi 130 EAT8l Gut gebrummt, Löwe 40 M ercedes-Benz C 220 d T-Modell Auf Dienstreise 41 Hyundai i20 N Line 1.0 T-GDi 48V N macht Spass 42 Opel Astra 1.2 130 PS Ein heller Blitz 43 Skoda Karoq Style 1.5 TSI DSG ACT In alter Frische 44 Dacia Jogger Extreme TCe 110 Einer für Alle 46 F ord Explorer 3,0 l EcoBoost Plug-In-Hybrid Platinum Underdog 47 Toyota Aygo X 1.0 VVTi Klein & Cross New Mobility 14 Renault Megane E-Tech vs Cupra Born Spannungsgeladenes Duell 20 T oyota Mirai Advanced & Walter Röhrl Wasser gibt Stoff 22 Kimera Evo 37 Wiedergeburt einer Ikone 26 VW ID Buzz Sympathieträger mit Bestsellerpotenzial 30 MG 4 electric Kecker Hintern 32 Oettinger VW Golf R Frisches Geflügel 22 56 26 64 ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 4
EDI TORIAL Manfred Wolf E-Fuels statt einseitiger Ausrichtung auf E-Autos Nur allein mit Elektromobilität werden wir dem Klimaschutz nicht gerecht“, sagte Ralf Diemer, Geschäftsführer der eFuel- Alliance, einer Interessengemeinschaft, die sich für die industrielle Produktion von synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbaren Energien einsetzt. Auch künftig werden sich nicht alle Menschen ein Elektroauto leisten können oder wollen, so Diemer. Zudem zeige der Ukraine-Krieg, dass die Fixierung auf eine einzige Option zu gefährlichen Abhängigkeiten führen kann, wenn das Wirtschaftssystem ins Wanken gerät. Vor der Abstimmung über strengere CO2-Emissionsgrenzwerte für Neuwagen im Umweltausschuss des EU-Parlaments warnte die Interessengemeinschaft vor einer einseitigen Entscheidung zugunsten rein elektrischer Fahrzeuge. Damit Europa beim Import von Batterie-Rohstoffen nicht erneut in eine Abhängigkeit schlittert, müsse man neben dem Ausbau der E-Mobilität weitere klimafreundliche Lösungen anbieten, wie etwa den Einsatz von CO2-neutralen e-Fuels, fordert Diemer. „Nach Angaben der internationalen Energieagentur verarbeitet China 87 Prozent der weltweiten Seltenerdenvorkommen, 65 Prozent des Kobalts, 58 Prozent des Lithiums und 40 Prozent des Kupfers!“ Erneuerbare Kraftstoffe sollten auf die CO2-Vorgaben für Neufahrzeuge angerechnet werden, damit Verbrenner mit grünen, erneuerbaren Kraftstoffen möglich werden. Diemer fordert: „Die Europaabgeordneten sollten den Beitrag, den nachhaltige erneuerbare Kraftstoffe wie e-Fuels zur Reduzierung der Verkehrsemissionen leisten können, bei ihrem Votum berücksichtigen. Anstatt Klimaschutztechnologien gegeneinander auszuspielen, sollten sich alle Beteiligten auf den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Kraftstoffe konzentrieren.“ Diemer ist sicher, dass die Anrechnung von CO2-Emissionseinsparungen durch erneuerbare Kraftstoffe auf die EU-Flottenziele zu einem Mix klimafreundlicher Technologien führen wird. Das werde die europäischen Elektrifizierungsbemühungen ergänzen, die Dekarbonisierung des Verkehrs beschleunigen und gleichzeitig die Mobilität für alle erschwinglich halten, erläutert er. Da e-Fuels anfangs nur in geringen Mengen konventionellen Kraftstoffen beigemischt werden, wird der Preis an der Tankstelle nur geringfügig steigen. So würde eine Beimischung von fünf Prozent e-Fuels den Kraftstoffpreis um gerade einmal sieben Cent pro Liter erhöhen. Die derzeitige EU-Verordnung über CO2-Normen für Pkw und Transporter beschränkt nach Meinung der eFuel-Alliance durch die ausschließliche Fokussierung auf die Auspuffemissionen die Optionen für die Kunden unnötig. Sie ignoriert den Beitrag, den erneuerbare Kraftstoffe in effizienten Verbrennungsmotoren oder Plug-in-Hybride leisten können. Emissionen, die in früheren oder späteren Phasen des Lebenszyklus eines Fahrzeugs entstehen, etwa bei der Herstellung des Fahrzeugs oder bei der Erzeugung und Bereitstellung des Betriebsstroms, werden mit der aktuellen Regulierungslogik gar nicht berücksichtigt. Der europäische Strommix ist stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Dennoch gilt ein E-Auto, das mit überwiegend aus fossilen Brennstoffen erzeugtem Strom aufgeladen wird, nach der derzeitigen Verordnung immer als Null-Emissions-Fahrzeug. Dagegen wird ein Fahrzeug, das mit e-Fuels betrieben wird, immer als fossiles Fahrzeug angesehen. „Das ergibt einfach keinen Sinn und sollte vom EU-Parlament korrigiert werden“, fordert die eFuel-Alliance. Das Prinzip der Herstellung von e-Fuels. ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 5
NEWS Batman returns KTM X-BOW GT-XR In Sachen Kompromisslosigkeit blieb der KTM X-BOW ja bereits bei seinem Debüt im Jahr 2008 nichts schuldig, und auch optisch ist er gefühlt schon immer mehr im Batcave denn in öden Garagen beheimatet. Basierend auf dem vor rund zwei Jahren präsentierten Track-Tool GTX bzw. dem GT2 Rennfahrzeug findet der KTM X-BOW GT-XR mit dem legendären Fünfzylinder-Motor von Audi nun den Weg auf die Straße. Freilich, viele Fans des leichtgewichtigen Supersportwagens aus Österreich hatten schon unmittelbar beim Debüt des KTM XBOW GTX darauf gehofft, dass der einzige Automobilhersteller des Landes früher oder später auch eine straßenzugelassene Version des betörend schönen Rennwagens auf Schiene bringen würden. Als dann wenig später die GT2-Variante von der SRO homologiert wurde, verdichteten sich diese Hoffnungen zur Gewissheit: Die Zulassung in der neuen Rennserie von GT-Mastermind Stephane Ratel wird schließlich nur jenen gewährt, die auch eine Homologation für den Straßenbetrieb vorweisen können. Betörend schön, atemberaubend dynamisch So war es also nur eine Frage der Zeit – und sicher auch eine des Budgets – bis die oberösterreichischen Motorradspezialisten mit ihren Vierrad-Niederlassungen in Graz und Thalheim diese heiß ersehnte Straßenversion vor den Vorhang rollen würden. Nun ist es endlich soweit, und auf den ersten Blick muss man neidlos anerkennen, dass speziell dem Design-Team von Kiska mit dem KTM X-BOW GT-XR ihre bislang beste Arbeit gelungen ist. Das Auto ist trotz aller Radikalität betörend schön, atemberaubend dynamisch und bereits im Stand schneller, als die Polizei erlaubt. Hollywood wäre verrückt, den nächsten Batman-Film nicht mit diesem irren Gerät aufzuwerten. Die kompromisslose Optik setzt sich in den technischen Lösungen rund um den berühmt-berüchtigten 2,5-Liter Fünfzylindermotor von Audi fort: In seiner Mittelmotor-Konfiguration mit einer Gewichtsverteilung von 44:56 Prozent und bei nur 1.130 Kilogramm Leergewicht sorgen 500 PS (368 kW) für Vortrieb und 581 Nm Maximaldrehmoment dafür, dass die 20 Zoll großen hinteren Räder mit ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 6
KTM X-BOW GT-XR 295er Bereifung von Michelin ausreichend beschäftigt sind. Die Gänge werden per 7-Gang DSG gewechselt, ein mechanisches Sperrdifferential ist ebenfalls verbaut. In nur 3,4 Sekunden soll der KTM X-BOW GTXR auf 100 km/h beschleunigen, bei 280 km/h Höchstgeschwindigkeit ist Schluss. Ein Monocoque, ein Kofferraum und 1.000 Kilometer Reichweite Um sich bei diesen Werten nicht allzu sehr fürchten zu müssen, kommt neben riesigen, 365 Millimeter großen Achtkolben-Monoblock-Festsattelbremsscheiben vorne (aus Stahl, eine Keramikbremsanlage gibt es optional) auch weiterhin das bekannte und bewährte Carbon-Moncoque zum Einsatz. Gleichzeitig wird dieses aber mit dem zum Ein- und Aussteigen elektrisch betriebenen Canopy verbunden, das so ausgelegt ist, dass es im Ernstfall das Sechsfache des Fahrzeuggewichtes auffangen kann. Im Fahrzeug-Innenraum geht es für X-BOW Verhältnisse auf gepolsterten Carbon-Schalensitzen schon beinahe komfortabel zu, sogar Klimaanlage, Bluetooth-Kopplung, Soundsystem und induktives Laden für’s Handy sind an Bord. Dank dem langen Radstand gibt’s aber noch zwei weitere Highlights, nämlich einen 160 Liter fassenden Gepäckraum zwischen Monocoque und Motor, sowie einen 96 Liter großen Tank, der bei einem WLTP-Schnittverrauch von 9,1 Liter Touren über rund 1.000 Kilometer ohne Tankstopp ermöglicht. Wer sich nun wie Batman fühlen möchte, sei vorgewarnt: Die Gage eines HollywoodSchauspielers ist bei einem Basispreis von € 284.900,- vor Steuern auf keinen Fall nachteilig, zudem sollten Kaufinteressenten viel Geduld mitbringen: Die gesamte Produktion 2022 und 2023 ist laut KTM, bei maximal 100 Stück pro Jahr, bereits jetzt restlos ausverkauft. mw Carbon-Schalensitze für Fahrer und Beifahrer Der KTM X-BOW GT-XR, eines der ganz wenigen aktuellen Rennfahrzeuge mit Straßenzulassung. Datencheck KTM GT-XR Leistung 368 kW (500 PS) Zylinder/Ventile 5 Zylinder/20 Ventile Hubraum 2.480 ccm Bohrung und Hub 82,5 x 92,8 Max. Drehmoment 581 Nm bei 5.550 U/min. 0 auf 100 km/h 3,4 Sek. Höchstgeschwindigkeit 280 km/h elektronisch abgeregelt Preis ab € 284.900,- (netto) Der KTM X-BOW GT-XR, eines der ganz wenigen aktuellen Rennfahrzeuge mit Straßenzulassung. ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 7
NEWS Elektropraxis Kangoo E-Tech & Master Van Renault gönnt dem Erfolgsmodell Kangoo eine komplett neu ent- wickelte, vollelektrische Version. Dank großer Varianten-Vielfalt und Variabilität, niedrigem Verbrauch sowie toller Anhängelast überzeugt der E-Kleintransporter trotz stolzem Preis. Daneben debütiert auch die vollelektrische Version des größeren „Master“. „Van of the Year 2022“, seit 1997 über 4,5 Millionen verkaufte Einheiten: Der Renault Kangoo ist seit Produktionsstart bis heute eine Erfolgsgeschichte. Nun packt Renault sein gesamtes E-Know-How in den Kleintransporter. Aus dem Zoe in den Kangoo 45 kWh groß und daher nicht allzu schwer ist der aus LG-Zellen bestehende Akku des Kangoo Van E-Tech Electric, 90 kW (122 PS) leistet der Motor. Abgeleitet wurde der Antriebsstrang übrigens aus dem E-Pionier Zoe. Mit dem in Standardlänge L1 – der um genau einen Meter längere L2 kommt ab Herbst – je nach Ausstattung 1.694 bis 1.754 kg schweren Transporter hat der Motor dank sattem Drehmoment leichtes Spiel. Zudem gestaltet sich der Verbrauch äußerst zivilisiert, was auch der guten Rekuperation, noch dazu in drei Stufen schaltbar, geschuldet ist. Exakt 14,0 kW waren es auf der ersten, zwischenzeitlich flotten Testfahrt. Ein exzellenter Wert, der die 300 km WLTPReichweite mehr als realistisch erscheinen lässt. Laden und laden In Sachen Laden kann der Elektro-Kangoo ebenfalls überzeugen. Zum einen mit maximal 526 kg Nutzlast, die sich auf bis zu 3,9 m³ Ladevolumen unterbringen lassen. Wahlweise auch mit dem „Open Sesame by Renault“ Trick, der auf der Beifahrerseite die B-Säule einspart. Zudem gibt’s das geniale, klappbare Laderaumgitter nebst klappbarem Beifahrersitz, was das Einladen von besonders langem Ladegut zum Kinderspiel macht, serienmäßig. Last but not least: 1.500 kg gebremste Anhängelast! Zum anderen bekommt, wer zum Basispreis von € 37.560,- noch einmal € 2.040,- dazulegt, 22 kW Ladegeschwindigkeit, Wärmepumpe inklusive Klimaautomatik sowie die Option auf den 80 kW DC-Lader. Je nach Ausstattung, die schon in der Basis ausreichend ist, klettern die Preise auf bis zu € 42.960,-, brutto. Allerdings ohne E-Förderung, und natürlich ist der Kangoo auch vorsteuerabzugsberechtigt. Bestellen geht übrigens ab sofort, im Juni dürften die ersten Kangoos durch Österreich stromern. Der Master auch ein Meister? Ob dem elektrischen Master mit maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht und entsprechender Zuladung zwischen 887 und 1.440 kg ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird, steht in den Sternen. Renault meint ja, der Kundschaft wären – dank 52 kWh großer Batterie – 200 km WLTPReichweite samt 22 kW Ladeleistung genug. Doch selbst bei nicht annähernd maximaler Beladung fühlte sich der nur 57 kW (76 PS) starke Elektromotor bei der ersten Ausfahrt nicht ganz souverän an – und dass die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h begrenzt ist, vermag auch nicht zu begeistern. Im günstigsten Fall werden dafür € 64.560,- brutto fällig, da bleibt selbst nach Vorsteuerabzug und E-Förderung noch immer eine stattliche Summe über. mw ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 8
Volkswagen feiert 20 Jahre R-Modelle und begeht das runde Jubiläum mit einer neuen Eskalationsstufe in Sachen VW Golf. Mit dem Zusatz „20 Years“ bietet die achte Generation des VW-Klassikers nun 333 PS, vor allem aber eine sensationelle Fahrwerks- und Getriebeabstimmung, wie wir am Salzburgring erfahren durften. Unter der Federführung von Ex-WTCRPilot Benny Leuchter begab sich VW mit dem Golf R auf die Nürburgring Nordschleife, um dort an einem neuen Set-Up für Fahrwerk und Getriebe zu arbeiten – vor allem aber, um das neue „Performance Torque Vectoring“ System abzustimmen. Performance Torque Vectoring Das aufwändige System sitzt auf der Hinterachse, wo zunächst die Kraft zwischen Vorder- und Hinterachse mittels Lamellenkupplung verteilt wird. Im Anschluss sorgt das „Torque Vectoring“ für eine situationsabhängige, kontinuierlich variable Verteilung der Antriebskraft zwischen linkem und rechtem Hinterrad. Das geschieht per elektromechanisch angesteuerten, wartungsfreien Kupplungen und kann so bis zu 100 Prozent der Hinterachs-Antriebskraft auf das jeweils kurvenäußere Rad umlenken. Abhängig ist das von zahlreichen Parametern, welche in Echtzeit von der FahrwerksECU verarbeitet werden, sowie auch vom manuell vom Fahrer ausgewählten Fahrmodus. Dieses System ist in der „20 Years“ Jubiläumsversion serienmäßig und bietet mit dem „Special“ genannten neuen Fahrprofil eine Abstimmung, die unter der Federführung von Leuchter herausgefahren wurde. Vier Sekunden und der Wohlfühlfaktor Auf der 20,832 Kilometer langen Nordschleife verbesserte Leuchter mit dem überarbeiteten VW Golf R „20 Years“ die Bestzeit um vier Sekunden, auf 7:47,31 Minuten. Besonders eindrücklich ist dabei, wie spielerisch die neue Bestzeit zu erzielen war. Dank der neuen Abstimmung fährt sich der VW Golf R nämlich deutlich einfacher, was vor allem für Amateure den Wohlfühlfaktor enorm erhöht. Das war auch auf dem kürzeren, aber ebenfalls anspruchsvollen Salzburgring eindrucksvoll zu erfahren. An den Alltagsqualitäten des VW Golf R hat sich indes nichts geändert – ein weiterer, großer Pluspunkt gegenüber dem Mitbewerb, der teilweise ohne Rückbank oder nutzbarem Kofferraum vorfährt. Wer einen VW Golf R „20 Years“ möchte, sollte schnell sein: Der Jubiläumskracher wird nur ein Jahr gebaut und kostet ab € 65.330,-. mw NEWS Jubiläumskracher VW Golf R 20 Years VW ID.5 GTX 4MOTION gegen VW T-Roc R E-Power gegen R-Power Im Rahmen des „R Experience“ Track Days wurde abseits der Rennstrecke das längsdynamische Potential der Elektromobilität demonstriert. Dabei trat der neue, vollelektrische VW ID.5 GTX gegen den VW T-Roc R im Sprintwettbewerb an. So unterschiedlich diese technologischen Konzepte auch sein mögen, in der Praxis schenkten sich die beiden allradgetriebenen Fahrzeuge nicht viel. Sowohl beim Beschleunigen als auch beim Bremsen beeindruckten beide mit kräftigem Antritt und ebensolcher Verzögerung, auf der Bremse profitiert der schwere ID.5 auch von der Bremswirkung – Rekuperation – der beiden E-Motoren. In Sachen Beschleunigung wurde das Match schlussendlich durch die Launch-Control des T-Roc R entschieden: dank des „Raketenstarts“ konnte er sich vom elektrischen Mitbewerber absetzen. Datencheck Leistung 245 kW (333 PS) Zylinder/Ventile 4 Zylinder/16 Ventile Hubraum 1.984 ccm Bohrung und Hub 82,5 x 92,8 Max. Drehmoment 420 Nm bei 2.100-5.500 U/min. 0 auf 100 km/h 4,6 Sek. Höchstgeschwindigkeit 270 km/h elektronisch abgeregelt Preis ab € 65.330,- ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 9
Frauen in den Autos auf dem Testgelände unterwegs, Männer staunend am Pistenrand, so könnte man den Ladies Day 2022 am Salzburger Brandlhof wohl am besten beschreiben, nicht zu vergessen Adrenalin und Action pur. Das war einmal mehr der Event für alle Porsche begeisterten Frauen, die gerne einmal abseits des öffentlichen Verkehrs die Grenzen ihres Fahrzeugs ausloten wollten. Das Event fand diesmal im kleinen, exklusiven Kreis statt, was auch die Intensität steigerte. DieT rainingseinheiten wurden in Gruppen - Basic und Advanced - mit dem eigenen Auto absolviert, was auch die einzige Voraussetzung war, um am Porsche Ladies Safety Day teilnehmen zu können. „Ein Porsche kann und soll dynamisch bewegt werden. Aber das muss, selbst wenn die neuesten aktiven und passiven Sicherheitsfeatures zur Ausstattung eines jeden Porsche gehören, erlernt und regelmäßig trainiert werden“, so Helmut Eggert, Geschäftsleiter der Marke Porsche in Österreich, und ergänzt: „Für alle Porsche Neuwagenkäuferinnen oder -käufer ist deshalb das erste Porsche Ladies Safety oder Porsche Safety Training immer im Kauf inkludiert. Erfahrene ÖAMTC-Instruktoren vermitteln zahlreiche Feinheiten, die das Porschefahren noch sicherer machen und den Fahrspaß erhöhen. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit.“ Ausblick 2023: Die Termine für die Porsche Ladies Safety und Porsche Safety Trainings in Teesdorf und Saalfelden sind bereits fixiert und unter www.porsche. at einsehbar. Für jeden Porsche-Neuwagenkunden ist das Training mit Gutschein, den dieser beim Neuwagenkauf erhält, kostenlos. NEWS Porsche Ladies Safety Day 2022 „Ein Porsche kann und soll dynamisch bewegt werden.“ Dr. Helmut Eggert, Markenleiter Porsche Austria ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 10
L I FESTYLE Sportliche Begleiter Patravi ScubaTec Maldives Die Patravi ScubaTec Maldives gibt sich bereits auf den ersten Blick als Taucheruhr zu erkennen. Ihr auffallendes Edelstahlgehäuse mit 44,6 mm Durchmesser besitzt eine einseitig drehbare Edelstahllünette mit blauen und weissen Keramikeinlagen. Eine grosse 60-Minuten-Skala mit Leuchtmarkierungen erleichtert das Ablesen der verstrichenen Zeit unter Wasser – ein echter Vorteil für jeden passionierten Taucher. Das leuchtend blaue Zifferblatt mit auflackiertem Wellenmuster zieht sowohl an Land als auch im Wasser alle Blicke auf sich. Tissot MotoGP Bei allen Grand Prixs erhalten Fahrer, welche die Pole-Position erreichen konnten, eine Uhr der Marke sowie das Tissot „Pole Position“-Zertifikat überreicht. Die Kooperation soll auch Inspirationsquelle dienen, um einzigartige Uhren zu kreieren, welche atemberaubende Details der Motorräder illustrieren - wie bei der Tissot T-Race MotoGP Collection eindrucksvoll zu sehen ist. CASIO EDIFICE EQB-1100TMS Der sportive Chronograph mit hochwertigem Edelstahlgehäuse und -band bietet durch sein schlankes Design guten Tragekomfort. Die oktogonale Lünette sowie das aus Carbon gefertigte Ziffernblatt unterstreichen den markanten Ausdruck der Uhr. Klare, weiß beschichtete Stabindizies und Zeiger ermöglichen das problemlose Ablesen der Zeit. In Anlehnung an die Farben der GT-Rennwagen in der japanischen „Super-GT“ Rennserie, greift die EQB-1100TMS goldene sowie blaue Akzente auf.
BÜCHER Der Bulli des Ostens Mit dem Buch „Barkas B 1000: Der DDRSchnelltransporter“ rückt Torsten Langbein die Geschichte des Fahrzeugs bildreich in den Blickpunkt. Die 150 Abbildungen beinhalten auch eine Reihe seltener Aufnahmen, etwa des B 1100 und der nie realisierten Frontentwürfe sowie der belgischen Hochdachausführung und des Karmann-Campers. Vom B 1000-1 mit 1,3-Liter-VW-Motor wurden lediglich 1500 Stück gebaut. Ihnen standen am Ende über 176.000 Stück des DDR-Originals gegenüber. „Barkas B 1000: Der DDR-Schnelltransporter“ von Torsten Langbein ist im Motorbuch-Verlag erschienen. Das Buch hat 128 Seiten mit 150 Abbildungen und kostet 19,95 Euro. Einmal um die ganze Welt Schon mal in einem Segelboot gesessen? Dann lässt sich vielleicht ermessen, was es bedeutet, 80 Tage auf solch einem wild schaukelnden und stampfenden Transportmittel zu verbringen. Wenn nicht, dann vermitteln das die Bilder des gerade im Verlag Delius Klasing erschienenen Bildbands „boris hermann seaexplorer - meine vendée globe 2020/21“. Das Buch wurde von Birgit Radebold, Jochen Rieker und Jörg Weusthoff zusa-mmengestellt, hat 208 Seiten mit 395 Fotos bzw. Abbildungen und kostet 49,90 Euro. „Ich fahre Abo von VOGL + CO.“ www.vogl-auto.at JULIA DUJMOVITS Snowboard-Olympiasiegerin und Unternehmerin Bereits ab 3 Monaten Laufzeit Monatlicher Fixpreis Alles inklusive, nur noch tanken oder laden
youtube.com/skodaAT facebook.com/skoda.at instagram.com/skodaAT skoda.at RECHARGE FAST FORWARD Das vollelektrische ENYAQ Coupé RS iV katapultiert sich in nur 6,5 Sekunden nahezu lautlos auf 100 km/h. Leistung zeigt sich nicht nur in Zahlen: mit den zahlreichen Details im RS-Design, smarter Konnektivität und modernsten Assistenzsystemen genießen Sie absoluten Komfort. Die geballte Kraft wirkt auf alle vier Räder, die in Kombination mit einer beeindruckenden Reichweite von rund 500 Kilometern keine Wünsche offen lässt. So meistern Sie jedes Terrain und kommen entspannt ans Ziel. Ab 21. Oktober bei Ihrem ŠKODA Betrieb! Das neue ŠKODA ENYAQ COUPÉ RS iV Symbolfoto. Stand 23.08.2022. Die beschriebenen Ausstattungen sind zum Teil serienmäßig oder optional erhältlich. Details bei Ihrem ŠKODA Berater oder unter www.skoda.at. Stromverbrauch: 16,7–21,7 kWh/100 km. CO2-Emissionen: 0 g/km.
NEW MOBILITY Frischer Wind in Sachen Elektromobilität: Mit dem ersten vollelektrischen Kompaktklassenfahrzeug von Renault, dem Megane E-Tech, und dem nun auch mit größerem Akku erhältlichen Klassenkollegen Cupra Born, kommt Schwung in die Sache. Wir haben die Beiden zu einem spannenden Duell „geladen“. So viel vorab: Sowohl der Renault Megane E-Tech als auch der Cupra Born konnten bei unseren bisherigen Treffen überzeugen. Doch während der Born – noch als „Cupra Born 58 Alpha“ mit kleiner Batterie – schon im Alltags-Referenztest unterwegs war, gab’s mit dem Megane bislang nur ein lockeres Kennenlernen bei einer ersten Ausfahrt im frühsommerlichen Spanien. Nun aber wollen wir es genau wissen und fühlen den beiden Kompaktklasse-Kontrahenten auf den Zahn: Vor allem unsere standardisierte Teststrecke steht dabei im Fokus, geht es doch gerade bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen mehr als alles andere um ihren tatsächlichen Energieverbrauch beziehungsweise ihre Effizienz. Renault Megane E-Tech Iconic EV60 vs Cupra Born 77 e-Boost 231 PS SPANNUNGS- GELADENES DUELL ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 14
Charme und Temperament Zunächst aber ein Blick auf die nicht so harten Facts. Da trifft französischer Charme auf spanisches Temperament, wobei auch der Franzose nicht gänzlich unsportlich ist. Dass Renault in Sachen Design, Haptik und Verarbeitung einen riesengroßen Schritt nach vorne gemacht hat, fällt dem aufmerksamen Beobachter schon länger auf. Mit dem Megane E-Tech ist dieser Schritt aber nun überdeutlich. Die Sitze – wir würden die tollen Stoffsitze mit zarten Retro-Anklängen dem Ledergestühl unseres Testwagens vorziehen – sind ebenso perfekt wie die Sitzposition, die man vor dem klaren und ultramodern wirkenden Armaturenbrett findet. Die zwei 12 Zoll großen Screens sind dank toller Grafik übersichtlich, die Bedienung ist logisch und funktioniert mit einer Mischung aus Knöpfen und Touchscreen einwandfrei. Besonders toll ist das auf Google basierende Navigationssystem, das bei der Routenplanung laufend EchtzeitVerkehrsinformationen, Akku-Ladestand und Fahrprofil berücksichtigt. Da tut sich der Cupra Born schwer, mitzuhalten. Nicht beim Innenraumdesign, das ist ebenfalls äußerst schick geraten, mit ansprechendem Materialmix und coolem Design. Erstaunlich, was sich aus der biederen Konzernbasis – der VW ID.3 lässt grüßen – dank spanischer Emoción alles machen lasst. Die Sitze sind ebenfalls tadellos, wenngleich noch mehr Seitenhalt nicht schaden würde, schließlich fährt das Teil auf Wunsch auch äußerst flott. Ein deutlicher Abfall gegenüber dem Megane ist das Bedienkonzept. Mühsame Touch-Felder überall, auch für alltägliche Wünsche muss per Touchscreen in diverse Untermenüs gewechselt werden. Und das Navigationssystem ist, im Vergleich zur Google-Lösung im Megane, eine echte Enttäuschung – vor allem auch, was Zusatzinfos wie Restreichweite bei Zielankunft usw. anbelangt. In Sachen Platzangebot punktet der Born hingegen mit großzügigem Raumgefühl in der vorderen wie auch in der hinteren Reihe, da kann der Megane nicht mit. Der gefällt dafür mit dem größeren Kofferraum, 440 bis 1.332 Liter schluckt der Franzose, während der Spanier 385 bis 1.267 Liter laden kann. Einen „Frunk“, also einen kleinen Zusatz-Kofferraum unter der „Motorhaube“ gibt es bei beiden nicht – schade, das wäre für die UnterDas Megane-Cockpit überzeugt mit toller Ergonomie und perfekter Bedienbarkeit Auch im Born geht‘s fesch zu, bei der Bedienung hapert‘s allerdings RENAULT MEGANE E-TECH VS CUPRA BORN ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 15
NEW MOBILITY bringung von z.B. Ladekabeln äußerst praktisch. Kein Frontkratzer, keine Heckschleuder Im Fahrbetrieb treffen zwei grundverschiedene Antriebskonzepte aufeinander. Während der Renault Megane E-Tech auf den in der Kompaktklasse jahrzehntelang bewährten Frontantrieb vertraut, gibt der Cupra Born den vermeintlichen Sportler und setzt auf Heckantrieb. Was im Sportwagensegment Unterschiede wie Tag und Nacht hervorbringt, ist im Alltag mit den beiden Hatchbacks weit weniger dramatisch. Der Fahreindruck ist da wie dort positiv. Elektrotypisch satt liegen die Kontrahenten auf der Straße, im kurvigen Geläuf geben sich auf Wunsch beide fahraktiv, fast sportlich. Was an diesem Punkt allerdings augenscheinlich wird, ist der doch recht große Gewichtsunterschied zwischen den Fahrzeugen. Während der Cupra Born satte 1.989 kg auf die Waage stemmt, ist der Renault Megane mit 1.783 kg ganze 203 kg leichter. Das macht sich nicht nur in der deutlich höheren Zuladungskapazität – 375 gegen 311 kg – sondern vor allem auch beim Fahrverhalten bemerkbar. Der Megane wirkt leichtfüßiger, nimmt Kurven trotz Frontantrieb flotter, während der Cupra in den Biegungen vom Gewicht gebändigt wird und seinen grundsätzlich sportlicheren Heckantrieb gar nicht so richtig nutzen kann. Gewicht ist Leistung Natürlich, im Cupra Born steckt die größere Batterie, und damit auch mehr Gewicht: 77 kWh gegen 60 kWh im Renault Megane E-Tech, das sollte logischerweise auch einen Reichweitenvorteil ergeben. In dieser Klasse sind 17 Kilowattstunden für rund 100 Kilometer gut. Doch was auf dem Papier nach einem Vorteil für den Cupra aussieht – und damit den Gewichtsnachteil zumindest teilweise wettmachen sollte – ist in der Praxis nicht wirklich greifbar. Warum? Weil die Franzosen ihr Mindergewicht und offenbar auch die außergewöhnlich gelungene E-Technik-Architektur des Megane in geradezu sensationell niedrige Verbrauchswerte verwandeln. 218 PS (160 kW) kurzfristige Spitzenleistung steht einer Dauerleistung von 75 PS (55 kW) gegenüber, damit sprintet der Megane E-Tech in ausreichend flotten 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der recht große Gewichtsunterschied macht sich dann doch bemerkbar ➤ Seite 18 ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 16
Beide Stromer starten mit vollen Akkus in ihre Verbrauchsfahrt Richtung Gaberl, bei beiden ist das Wetter tadellos, angenehme Frühsommertemperaturen machen es den Akkus leicht, ihre Kapazität auszuschöpfen. Von Beginn an zeigt sich, dass der Megane etwas weniger verbraucht – dabei sind die Verbrauchswerte des Cupra für sich betrachtet wirklich gut. Dasselbe gilt für die Rückfahrt mit viel Rekuperation: auch hier schneidet der Cupra im Vergleich zu anderen Elektroautos sehr gut ab, der Megane ist allerdings auch hier – nicht zuletzt dank manuell wählbarer, vierstufiger Rekuperation – schlicht und ergreifend besser. Renault Megane E-Tech und Cupra Born im Alltags-Referenztest Wegstrecke Tour-km Bordanzeige Reichweite +/- Temperatur Straßenprofil * Verbrauch kWh Hinfahrt Start Söding 0 400 - 22° 1 18,9 Ri. Rosental/Köflach 10 383 -1 21° 1 19,2 Ri. Maria Lankowitz 20 374 -10 21° 2 19,8 Krenhof-Salla 30 348 -26 17° 3 24,0 Salla-Gaberl 40 301 -63 15° 4 31,4 Gaberl 42,2 289 -73 33° 3 - Rückfahrt retour Gaberl 50 300 - 13° 3 - Kehre Puffingreihe 55 300 -20 15° 4 21,5 Salla 60 300 -5 17° 3 19,9 Krenhof 70 300 +8 20° 2 18,1 Ri. Köflach 80 290 12 20° 1 17,8 Ziel Söding 90,3 290 +16 20° 1 17,3 * 1 = ebene Strecke Gesamtfahrstrecke 90,3 km / 1.269 m Höhenmeter 2 = leichte Steigung/Gefälle 3 = mittlere Steigung/Gefälle 4 = starke Steigung/Gefälle Wegstrecke Tour-km Bordanzeige Reichweite +/- Temperatur Straßenprofil * Verbrauch kWh Hinfahrt Start Söding 0 389 - 17° 1 16,2 Ri. Rosental/Köflach 10 377 -2 17° 1 15,6 Ri. Maria Lankowitz 20 358 -110 17° 2 17,4 Krenhof-Salla 30 318 -41 15° 3 20,7 Salla-Gaberl 40 245 -104 13° 4 26,8 Gaberl 42 226 -121 12° 3 27,9 Rückfahrt retour Gaberl 42 225 -122 12° 3 - Kehre Puffingreihe 47 319 -15 13° 4 17,9 Salla 52 351 +22 15° 3 16,1 Krenhof 62 356 +37 18° 2 15,2 Ri. Köflach 72 349 +40 19° 1 14,9 Ziel Söding 85 353 +44 19° 1 14,6 * 1 = ebene Strecke Gesamtfahrstrecke 90,3 km / 1.269 m Höhenmeter 2 = leichte Steigung/Gefälle 3 = mittlere Steigung/Gefälle 4 = starke Steigung/Gefälle Renault Megane E-Tech Cupra Born RENAULT MEGANE E-TECH VS CUPRA BORN ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 17
NEW MOBILITY Dafür begnügt er sich selbst bei Autobahntempo mit rund 16 kWh und hält damit sogar die offizielle WLTP-Angabe ein. Unterstützt wird dieses tolle Ergebnis von der am Lenkrad schaltbaren Rekuperation in vier Stufen, die von Segeln bis zu sehr starker Bremswirkung reicht. Da kann der Cupra Born, der den Standardsprint in nur 7,0 Sekunden absolviert, nicht mit. Die Rekuperation wird manuell in zwei Stufen geschaltet, die Feinheit des Renault-Systems erreicht der Born aber nicht. Und auch auf der Autobahn benötigt er deutlich mehr Strom, um die 130 km/h zu halten: unter 18, 19 kWh geht’s nicht. Es kann nur einen geben Beim Aufladen sind beide flott, weil DC schnelladetauglich, an der Wallbox ist der Megane sogar ein wenig schneller voll – beide brauchen hier rund sieben Stunden. Die Entscheidung fällt aber letztlich auf unserer Teststrecke, wo sich der Renault Megane mit einer absoluten Bestleistung vom Cupra Born absetzt. Zwar schlägt sich der Spanier mit 17,3 kWh Verbrauch und einer Reichweitenbilanz von plus 16 Kilometern äußerst respektabel, der Megane E-Tech stellt mit 14,6 kWh und plus 44 Kilometern aber einen neuen Bestwert auf. Der Sieg in diesem Vergleich geht somit an den Renault Megane E-Tech, der – vor Abzug der E-Förderung – mit € 51.650,- noch dazu um € 3.800,- günstiger ist, als der € 55.450,- teure Cupra Born. mw Datencheck Renault Megane E-Tech Iconic EV60 220hp Elektromotor: Systemleistung: 160 kW/218 PS Frontantrieb Drehmoment: 300 Nm Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 7,5 s Verbrauch: 16,1 kWh Reichweite: 450 km Preis: ab € 50.400,- Datencheck Cupra Born 77 e-Boost 231 PS Elektromotor: Systemleistung: 170 kW/231 PS Heckantrieb Drehmoment: 310 Nm Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 7,0 s Verbrauch: 15,8 kWh Reichweite: 545 km Preis: ab € 46.690,- ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 18
www.volkswagen.at Kraftstoffverbrauch 1,7 – 9,8 l/100 km. Stromverbrauch 16,9 – 18 kWh/100 km. CO2-Emission 38 – 221 g/km. Symbolfoto. Jetzt alle Antriebsvarianten bestellbar eHybrid ✔ Benzin ✔ Diesel ✔ Ihr neuer Multivan ist nicht nur besonders komfortabel und vernetzt - sondern auch besonders sicher. Mehr als 20 neue Assistenz- und Sicherheitssysteme machen das Reisen – egal ob in der Freizeit oder beruflich – für Sie als Fahrer und für Ihre Gäste zum Vergnügen. On Top ist für Unternehmer der Vorsteuerabzug möglich und als Dienstwagen mit dem neuen eHybrid-Antrieb besonders günstig! Aus Allrounder wird Vorreiter Der neue Multivan
Toyota Mirai Advanced & Walter Röhrl Wasser gibt Stoff NEW MOBILITY Wasserstoff als Energieträger für die Mobilität des 21. Jahrhunderts findet im derzeit vorherrschenden Elektrohype – also insbesondere in Europa – kaum Beachtung. Toyota, immerhin größter Automobilhersteller der Welt, sieht die Sache etwas differenzierter und zeigt, wie das funktionieren könnte. Das Wasserstoffauto Toyota Mirai ist aber nicht nur im freien Handel erhältlich, sondern überzeugt auch bekannt kritische Zeitgenossen wie Rallye-Ikone Walter Röhrl. Der Mirai zeigt in mittlerweile zweiter Generation, was die Entwicklungsabteilung von Toyota zu leisten im Stande ist. Als Basis verwenden die Ingenieure die Technik-Basis der Toyota-Nobelmarke Lexus, was am hochwertigen Innenraum zu sehen und am außerordentlichen Fahrkomfort zu spüren ist. Außen ist der neue Mirai – gelinde gesagt – spektakulär. Es ist ein riesiges Auto mit prägnantem Grill und eindrücklichem G‘schau, mit einer nicht enden wollenden Motorhaube sowie einem außergewöhnlich feschen Heck, das gefühlt das Optik-Highlight des Fahrzeugs darstellt. Das war’s dann allerdings mit den optischen Aufregern: viel mehr als beispielsweise bei aktuellen Elektrofahrzeugen hat man im Auto sitzend das Gefühl in einem, Verzeihung, stinknormalen Verbrenner-Vehikel unterwegs zu sein. Dabei quellt der Mirai unter seiner Karosserie vor lauter High-Tech Komponenten und Speziallösungen nur so über. Drei Tanks – einer unter dem breiten Mitteltunnel, einer unter der Rücksitzbank und einer hinter der Hinterachse unter dem Kofferraum – bunkern rund 5,6 Kilogramm Wasserstoff. Welcher dann in der unter der Motorhaube sitzenden Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt wird, um den Elektromotor anzutreiben, der auf der Hinterachse sitzt. Dieser Vorgang ist zwar grundsätzlich leise, erzeugt aber dennoch ein eindrücklicheinzigartiges Geräusch, eine Mischung aus Säuseln, Rauschen und Zischen. Der Vortrieb ist druckvoll, aber nicht ganz so wie man es von „normalen“ Elektroautos gewöhnt ist. Das bestätigt ein Blick auf die Daten: 9,2 Sekunden vergehen für den Sprint auf 100 km/h. Was sonst noch auffällt? Ein zu kleiner Kofferraum (nur 321 Liter) und in der „Advanced“ ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 20
TOYOTA MIRAI ADVANCED Variante eine überkomplette Vollausstattung. Sitzbelüftung, Panoramaglasdach und Head-Up-Display, sowie großartige 20-Zoll-Alufelgen, die leider prädestinierte Randstein-Opfer sind. Der Preis für so viel Luxus? € 74.900,-. Das viele Geld deckt in Wahrheit wohl nicht einmal ansatzweise die Entwicklungskosten, doch der Toyota ist ein technologisches Leuchtturmprojekt: man will zeigen, was geht – oder gehen könnte. 182 PS (134 kW) stehen am Datenblatt, die Leistung passt zum Charakter des Autos. Seine Vorzüge spielt dieses gegenüber der Elektro-Konkurrenz vor allem auf der Autobahn aus, denn dort richten 140 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit im Mirai kein Reichweitendebakel an. Und auch wenn die angegebenen 650 Kilometer Maximal-Reichweite nicht realistisch erscheinen, deutlich über 400 Kilometer sind es allemal. Damit fängt – zumindest in Österreich – aber trotzdem der Jammer an: Bislang gibt es lediglich fünf Wasserstoff-Tankstellen, und selbst die wenigen funktionieren nicht immer. Zur Ehrenrettung sei gesagt: Die Technik ist hochkomplex und die Nachfrage ganz im Sinne der Henne-Ei-Problematik, nun ja, überschaubar. Dabei wäre – nicht zuletzt aufgrund der rezenten Spritpreis-Explosion – genügend Potential für gesteigerte Nachfrage vorhanden. Alleine die Politik interessiert das nicht, in Österreich schon gar nicht, wie sich anhand der Tankstellen-Anzahl feststellen lässt. Deutschland ist da etwas weiter, vor allem in Bayern gibt es bereits ein halbwegs praktikables Tankstellennetz. Dort könnte dann auch Rallye-Ikone Walter Röhrl Wasserstoff tanken. Der scharfzüngige Rallye-Weltmeister und Porsche-Markenbotschafter ist ja für seine kritische Haltung besonders gegenüber der Elektromobilität bekannt – und konzernintern gefürchtet. Wir haben die Gelegenheit seiner und der zeitgleichen DATENCHECK TOYOTA MIRAI ADVANCED Brennstoffzelle und Elektromotor: Systemleistung: 134 kW / 182 PS Heckantrieb Drehmoment: 300 Nm Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 9,2 Sek. Verbrauch: 0,8 kg/100 km Reichweite: 650 km (Werksangabe) Basispreis: € 74.900,- Anwesenheit des Mirai genutzt, um ihn ein paar Runden mit dem WasserstoffToyota drehen zu lassen. Und wie immer hat’s „der Lange“ in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht: „Was mir als erstes auffällt, ist die fehlende Aggressivität in der Beschleunigung. Das zeichnet ja die reinen Elektroautos aus, das muss man zugeben. Davon abgesehen macht dieses Auto alles wunderbar. Ich kann mir das als perfektes Reiseauto sehr gut vorstel- „Seine Vorzüge gegenüber der ElektroKonkurrenz spielt der Mirai vor allem auf der Autobahn aus.“ Zwei „Lange“ in einem Bild: Walter Röhrl und der Toyota Mirai len. Komfortabel, toll ausgestattet. Allerdings gibt‘s auch hier das Problem der fehlenden Infrastruktur, wenngleich Wasserstoff einen richtig großen Vorteil hat: der Tankvorgang dauert nicht länger als bei einem Benziner!“ Und der fehlende Motor-Sound? „Ach Gott, ich brauch‘ das Brummbrumm ned. Das hab‘ ich 50 Jahr‘ lang gehabt und das ist in einem Sportwagen auch was Schönes, aber im Alltag brauch‘ ich das ned.“ mw ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 21
NEWS Kimera Evo 37 Wiedergeburt einer Ikone Der Fotograf ist zunächst enttäuscht. Zeigte sich das Showcar im knalligen Rot, so ist das Testauto weiß lackiert. „Das wirkt auf den Fotos überhaupt nicht“, so sein knapper Kommentar. Das sitzt. Dabei ist das Wetter perfekt. Sonnenschein. Piemont zeigt sich an diesem Tag von seiner perfekten Seite. Aber spätestens als der Vierzylinder des Kimera Evo 37, der sich unter einer Plexiglasscheibe sonnt, mit einem dumpfen Grollen zum Dienst meldet, hellt sich auch die Miene des Fotografen wieder etwas auf. Sofort sind die alten Rallyeszenen vor dem geistigen Auge wieder parat. Als Walter Röhrl 1983 im heckgetriebenen Lancia 037 bei der Rallye Monte Carlo allen Allradlern aufs Haupt schlug. Doch war der Lancia eine puristische Rallye-Maschine, so präsentiert sich der Kimera Evo 37 heute zumindest im Innenraum weit ziviler: Armaturenbrett und Sitze sind mit feinem Alcantara ausgeschlagen. Der Schalthebel ragt wie eine mechanische Skulptur aus der Mittelkonsole – und er verlangt etwas Nachdruck. Auch die Rennkupplung mag etwas Drehzahl. Also Drehzahl hoch, Kupplung raus. Und der Kimera sprintet nach vorn. Die Getriebeübersetzung erscheint etwas kurz. Schon nach wenigen Metern verlangt der Sportler nach dem zweiten Gang. Die Schaltpause ist kurz – aber eindrucksvoll: Denn der Kompressor steigt jetzt mit einem gewaltigen Zischen in die beeindruckende Geräuschkulisse ein. Aber für eine Schrecksekunde ist keine Zeit. Die erste Kurve droht. Der Kimera lässt sich erstaunlich flink einlenken. Dann die nächste, engere Biegung. Die innenbelüfteten Bremsscheiben, vorn und hinten mit einem Durchmesser von 365 Millimetern und die rotlackierten Brembo-Festsättel in Kombination mit den breiten Pirelli-Walzen haben keine Mühe, den gerade mal 1.000 Kilogramm schweren Zweisitzer einzufangen. In den folgenden Wechselkurven zeigt der Kimera sein wirkliches Talent. Ein wahrer KurvenALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 22
KIMERA EVO 37 künstler. Leichtfüßig hechtet er von einer Biegung in die nächste. Die Handlichkeit ist verblüffend. So flink muss ein gut ausbalanciertes Rallyeauto sein. Hier, auf der kleinen Rennstrecke in der Nähe von Cuneo und auf den schmalen Bergsträßchen vor dem Monte Viso, hat der Kimera das Laufen gelernt. Kein Wunder, dass einer seiner Lehrmeister der Ex-Rallyeweltmeister Miki Biasion ist. Und auch Luca Betti, der Mann hinter dem Kimera-Projekt, ist vom Fach. Er hat die Leidenschaft zu Lancia schon von Kindesbeinen an aufgesaugt: Sein Vater fuhr Rallyes im Lancia Stratos. Und der Sohn setzte die Tradition fort, war 15 Jahre lang als Rallye-Profi bei verschiedenen Marken aktiv. „Mein Leben ist eine Evolution“, erklärt der Jungunternehmer. „Vom Rallyeprofi wechselte ich ins MotorsportManagement, gründete mein eigenes Team. Dann baute ich mein Unternehmen um und restaurierte Oldtimer. Schließlich startete ich das Kimera-Projekt.“ Das Logo, das sein Auto ziert, ist eine Chimäre, ein Fabeltier aus der griechischen Sage, ein Löwe mit Flügeln. Betti benutzt die Gestalt und modifizierte den Namen. Aus Chimäre wurde Kimera. Auf seinem beruflichen Weg sieht er den Kimera als eine konsequente Weiterentwicklung. Betti erklärt: „Auch Enzo Ferrari hatte, als er seine eigene Autoproduktion startete, mit der Evolution eines Alfa Romeo begonnen.“ Sein Kimera ist für ihn die moderne Interpretation der erfolgreichen LanciaHistorie, „Lancia ist eine Marke unserer Region, eine Marke, auf die ganz Italien stolz sein konnte.“ 1969 hatte die Agnelli-Familie Lancia ins Fiat-Imperium eingegliedert. 2014 Das Logo, das sein Auto ziert, ist eine Chimäre, ein Fabeltier aus der griechischen Sage, ein Löwe mit Flügeln. Rotes Alcantara innen - und auf den Gurten ein zarter Hinweis auf die Heydays im Rallyesport Luca Betti, der Mann hinter dem Kimera-Projekt, war 15 Jahre lang als Rallye-Profi aktiv. ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 23
erklärte Fiat-Boss Sergio Marchionne, dass die italienische Traditionsmarke eingestellt werden sollte. Tatsächlich ist sie derzeit nur noch in Italien präsent. Doch mit der Fusion von PSA und FCA im letzten Jahr gab CEO Carlos Tavares bekannt, man wolle wieder in Lancia investieren. Betti hat diesen Schritt längst vollzogen, denn „Lancia ist ein Teil unseres Lebens“. Sein Kimera „ist eigenständig, nicht so digital. Und er ist kompromissloser als andere Supersportwagen. Kein Classic-Car, sondern ein Mix aus alt und neu.“ Er ist eine Evolution, ein Restomod, mit Elementen des Rallye 037 und des Delta S4. „Wir haben die schöne Optik des 037 und den Antrieb des S4 in einem Auto zusammengebracht“, so Betti. Die Basis, die Fahrgastzelle, stammt wie beim 037 vom alten Lancia Beta Montecarlo ab. Die Vorderachse mit den Kühlern und der Antriebsstrang mit der Hinterachse sitzen in einem soliden Rohrverbund aus hochmodernem Stahl. Den Vierzylinder hat Claudio Lombardi, der schon die Rallyemotoren baute, auf Basis des S4-Triebwerks weiterentwickelt. Aufgeladen wird der 2,2-Liter-Vierzylinder durch einen Volumex-Kompressor und einen Turbolader. Früher musste der Serien-037 mit 205 PS auskommen. Und die Rallye-Artisten von einst mussten sich mit 350 PS abmühen. „Unsere Evolution mit modernen Materialien, modernen Fertigungsmethoden und modernster Elektronik“, erklärt Betti nicht ohne Stolz, „bringt heute 505 PS.“ Bemerkenswert ist auch das Spitzendrehmoment von 500 Newtonmetern, wobei 400 Nm bereits bei moderaten 2000 Touren anliegen. Ein wahrer Drehmoment-Berg, der eigentlich in allen Drehzahllagen für satten Vortrieb sorgt. Auf Wunsch kann die Leistung des Vierzylinders per Knopfdruck auf moderate 400 PS reduziert werden. „Und wir werden den Motor auch noch etwas weicher und „Wir haben die schöne Optik des 037 und den Antrieb des S4 in einem Auto zusammengebracht“, so Betti. NEWS Tag der offenen Hauben, ganz wie beim historischen Vorbild. ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 24
geschmeidiger auslegen. Er benimmt sich noch wie ein nervöses Baby“, sagt Betti. Auch der Auspuffsound dürfte noch etwas ziviler abgestimmt werden. Allerdings kann man über ein Klappensystem immer auf den vollen Sound umschalten. Stammt der Motor in seiner Basis von Lancia, so kommt das Sechs-Gang-Getriebe aus dem VW-Baukasten und wurde einst für den Lamborghini Gallardo und den Audi R8 entwickelt. Auf Wunsch wird es auch eine einstellbare Traktionskontrolle geben. Einiges am ersten Kimera entspricht noch nicht dem Serienstand. Beispielsweise das Armaturenbrett oder die Sitze; sie sollen im Serienauto noch etwas besser aufgepolstert werden. Die Brembo-Bemsen in Kombination mit dem Bosch-Renn-ABS packen heftig zu, und mit den flachen Prototypen-Schalensitzen läuft man Gefahr, dass man, wenn die beiden Bein-Gurte nicht wirklich fest angezogen sind, einfach in Richtung Fußraum wegrutscht. Aber darum wird sich der italienische Sicherheitsausstatter Sparco noch kümmern. Wie Zulieferer beim Betti-Projekt überhaupt eine entscheidende Rolle spielen: Den Motor baut Italtechnica, das Chassis kommt von Bonetto, das Interieur liefert Medici. Komplettiert wird das Ganze in der Nähe von Cuneo, standesgemäß im Anbau eines Herrenhauses aus dem 16. Jahrhundert, der Villa Kimera. Das imposante Gebäude beherbergt 14 Gästezimmer. Sogar der italienische König Carlo Emanuele III. soll hier schon einmal genächtigt haben. 37 Kimera werden gebaut, 24 davon sollen zum Preis von € 480.000,- plus Steuern bereits verkauft sein. Die Kunden sind größtenteils Sammler, die bereits einige Autos besitzen. Die Kimera werden aber wohl kaum in Museen verstauben, wie Betti betont: „Das sind Car-Guys, alle wollen das Auto fahren.“ Und noch eines verbindet die Kimera-Gemeinde, wie Betti verrät: „Alle Autos tragen Frauennamen.“ Mit den Kunden hält er regen Kontakt. „Das ist mittlerweile wie eine große Familie.“ Sie kommen aus Italien, der Schweiz, aus Deutschland, Frankreich, der Ukraine, aus den USA, aus Brasilien, und einer aus Japan. Ende Februar wurde das erste Auto in Sankt Moritz an einen Holländer ausgeliefert. Das Auto mit der Nummer eins hört auf den Namen Esmeralda. Und mit Blick auf den Fotografen verrät Betti: „Dieses Auto war nicht weiß, sondern grün lackiert.“ Danach soll pro Monat ein Auto produziert werden. Und in der Zwischenzeit wird Betti über sein nächstes Projekt nachdenken. Denn er will ja ein richtiger Autoproduzent werden. Bernd Ostmann, cen KIMERA EVO 37 Datencheck Antrieb R4-Benziner, 2.150 ccm, Hinterradantrieb, 6-Gang-Schaltung Gesamtleistung: 370 kW / 505 PS bei 7000 U/min Max. Drehmoment: 500 Nm Länge x Breite x Höhe (m): 4,06 x 1,91 x 1,20 Radstand 2.520 cm Höchstgeschwindigkeit: > 300 km/h Beschleunigung 0 auf 100 km/h: < 3,0 s Preis: € 480.000,- (netto) 25 ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022
NEW MOBILITY VW ID.Buzz Sympathieträger mit Bestsellerpotenzial Jugendliche mit „Wow“-Gesichtern, Familienväter, die das Handy zücken, daumenreckende ID.4 Fahrer – keine Frage, der neue VW ID Buzz provoziert obwohl in der dänischen Hauptstadt Elektroautos neben Fahrrädern zum alltäglichen Straßenbild gehören. Dem Charme des elektrifizierten Vans kann sich kaum jemand entziehen, auch wenn er sicher nicht für jedermann erschwinglich sein wird – oder vielleicht gerade deswegen? Für VW-Nutzfahrzeuge-Vertriebschef Lars Krause „einfach nur beeindruckend. Ohne dass das Auto tatsächlich beim Händler steht, geschweige denn, ein Kunde es gefahren hat“. Damit ist aber auch klar, dass längere Lieferzeiten vorprogrammiert sind. Verfügbarkeit & Lieferzeiten In diesem Jahr sollen nur 15.000 ID.Buzz – parallel zum Multivan T7 und T6.1 – die Bänder des Werks Hannover verlassen. Im nächsten Jahr soll die Kapazität dann schrittweise auf 130.000 Fahrzeuge hochgefahren werden. Ohne ein Prophet zu sein: das wird nicht reichen. Mit der Kombination aus multifunktionalem Raumfahrzeug, Elektroantrieb und aufgefrischtem Design hat VW wohl einen programmierten Bestseller auf die Räder gestellt. ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 26
VW ID.BUZZ Vor allem in der Zweifarblackierung, bei der obere Bereich immer weiß ist, kommt die markante Frontpartie im Stil des legendären T1 mit einer V-förmigen Haube, den freundlich dreinblickenden LED-Scheinwerfern und dem modellweit größten Markenlogo besonders gut zur Geltung. Die knackig kurzen Überhänge geben der kompakt geformten Karosserie einen modernen, fast futuristischen Touch. Das sympathische Äußere korrespondiert mit einer guten Aerodynamik und einem cW Wert von nur 0,29 – bei Elektroautos neben dem Gewicht die entscheidende Größe für Stromverbrauch und Reichweite. Bus oder Transporter? Wie bereits bekannt wird es vom Start weg eine fünfsitzige Bus- und eine zwei- oder dreisitzige Transporter-Version geben. Beide sind identische 4,71 Meter lang, der Radstand streckt sich auf 2,99 Meter. Zum Vergleich: Ein aktueller VW T6.1 ist bei gleichem Radstand mehr als 19 Zentimeter länger. Auch in der Höhe ducken sich die E-Bullis gegenüber ihrem Verbrenner-Bruder je nach Ausstattung und Version – 1.927 und 1.951 Millimeter – um einige Zentimeter. Dafür gehen sie mit 1.985 Millimetern gut acht Zentimeter mehr in die Breite. „Kein anderer Automobilhersteller hat ein vergleichbares, rein elektrisches Bus- und TransporterDuo im Programm“, so Sepp Ebner vom heimischen Importeur. Deshalb sind die VW-Verantwortlichen auch davon überzeugt, dass die Baureihe großes Eroberungspotenzial besitzt. Neben „Familien, Leuten mit großem Platzbedarf fürs Hobby, sowie Unternehmer und Handwerker“ werden sich für den ID.Buzz „Umsteiger aus der SUV- und der Van-Welt ebenso entscheiden wie Bulli-Fans, die elektrisch fahren möchten“. Und denen wird einiges sehr vertraut, anderes hingegen vollkommen neu erscheinen. Einsteigen bedeutet im E-Bulli auch hochsteigen in die bekannte Kommandoposition mit guter Über- und Umsicht. Dass trotz Elektro-Architektur immer noch reichlich „verschenkter“ Raum zwischen Frontscheibe und Fahrer bleibt, ist wohl der Crashsicherheit und dem Fußgängerschutz geschuldet. Immerhin kaschiert VW das äußerst geschickt durch eine mehrstufige Aufteilung und ausstattungsabhängig geschmackvoll eingesetzte Chrom- und Holzblenden. Ganz neu, wenn auch aus ID.3, ID.4 und ID.5 geläufig, ist das Cockpit-Layout mit dem freistehenden 5,3-Zoll-Digital-Display hinter dem Lenkrad und dem mittig auf dem Armaturenträger platzierten 10-Zoll-Touchscreen. Mit dem optionalen Navi-System „Discover Pro“ wächst das Multimedia-Display sogar auf 12 Zoll an. Es zeigt alle wichtigen Multimedia-Funktionen in einleuchtender Kachel-Optik und lässt sich auf Anhieb intuitiv bedienen. Unterschiede zur bestehenden ID-Familie Anders als bei den PKW-Stromern wird das Automatikgetriebe dankenswerterweise nicht über den Fahrstufen-Schaltknubbel am Digital-Display, sondern über einen klassischen Lenkstockhebel Die ME Platform erlaubt großzügie Platzverhältnisse für Front und Fontpassagiere im ID.Buzz ALL MOBILITY – automagazin.at 04|2022 27
www.automagazin.atRkJQdWJsaXNoZXIy MjI2NDc=