Skoda Tudor – erstes Nachkriegsmodell ging in 76 Länder

Skoda Tudor – erstes Nachkriegsmodell ging in 76 Länder – Es war im Frühjahr 1946 der 1101. Aufgrund seiner zweitürigen, geschlossenen Karosserie wurde er bald als „Tudor“  – Two Door – bekannt. Das Fahrzeug wurde in mehr als 70 Länder exportiert. Zum 80. Geburtstag der alten Baureihe widmet das Skoda-Museum dem Tudor bis zum 21. Mai eine Sonderausstellung.

Das erste Serienfahrzeug des 1101 rollte am Montag, 6. Mai 1946, im Werk Mladá Boleslav vom Band. Der „Tudor“ folgte auf die erfolgreichen Modelle Rapid und Popular, die Ende der 1930er Jahre für einen Produktions- und Verkaufsboom bei Skoda gesorgt hatten. In der schwierigen Nachkriegszeit überzeugte der 1101 die Kunden durch robuste Bauweise, Zuverlässigkeit, niedrige Betriebskosten und seinen Fahrkomfort auch auf schlechten Straßen. So fand er nicht nur Kunden in Europa, sondern auch in Übersee.

Die eine viersitzige und zweitürige Limousine war etwas über vier Meter lang, verfügte über ein Rohrrahmenchassis mit Einzelradaufhängung an allen Rädern. Angetrieben wurde der Skoda 1101 von einem 1089 Kubikzentimeter großen OHV-Vierzylinder mit 32 PS (24 kW). Er erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und verbrauchte im Durchschnitt acht Liter auf 100 Kilometer, was ihn für die damalige Zeit zu einem sehr sparsamen Auto machte.

Ab 1948 wurde der modernisierte 1102 produziert. Neben einem anderen Kühlergrill und Stoßstangen bot er optional einen Vier-Gang-Schalthebel an der Lenksäule anstelle des am Boden montierten Hebels. Bis 1952, als die Produktion des Skoda 1101/1102 eingestellt wurde, waren insgesamt 66.904 Zivilfahrzeuge gebaut worden. Neben der gängigsten zweitürigen Karosserieform gab es weitere Versionen, darunter eine viertürige Limousine, einen Roadster und ein Cabriolet mit versenkbarem Stoffverdeck. Dazu kamen Liefer- und Krankenwagen sowie Kombimodelle. Darüber hinaus wurden mehr als viertausend Derivate für Sicherheitskräfte entwickelt, die als Skoda 1101 VO (militärisch offen) und Skoda 1101 P (Notfall) bezeichnet wurden.

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Mehr als 65 Prozent der Produktion gingen in den Export. Bis 1951 wurden sie in 76 Ländern verkauft, wobei Polen, die Niederlande, Belgien und Westdeutschland zu den wichtigsten Märkten gehörten. Der Tudor gelangte auch in weiter entfernte Länder wie Australien, Kanada, Indien, Marokko, Kenia und Südafrika.

Die Modellreihe machte sich auch im Motorsport einen Namen. In Europa und Südamerika überzeugten die Fahrzeuge bei anspruchsvollen Rallyes und Rundstreckenrennen. Beim 24-Stunden-Rennen in Spa (Belgien) im Juli 1948 gewannen drei Tudor, die von einem lokalen Importeur gemeldet worden waren, ihre Klasse. Sie überquerten nach 1972 Kilometern unter schwierigen, regnerischen Bedingungen kurz nacheinander die Ziellinie und sicherten sich die Plätze eins bis drei in ihrer Kategorie. In den 1950er Jahren setzte sich der Erfolg mit den Werks-Sondermodellen Skoda Sport und Supersport fort, die auf derselben technischen Basis beruhten.

Die Geschichte des Fahrzeug, das Skoda nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Wiederaufnahme der Produktion und des weltweiten Exports half, ist Thema der Sonderausstellung im Škoda-Werksmuseum. Sie zeigt typische, aber auch seltene Versionen des Modells, deren Geschichte anhand großformatiger Fototafeln erzählt wird. Historische Filmaufnahmen und einzigartige Artefakte runden die Präsentation ab.

Seit kurzem besteht auch die Möglichkeit, das Museumsdepot zu besuchen. Dort sind 23 größtenteils unrestaurierte Fahrzeuge in einzigartigen Produktionsanlagen aus dem Jahr 1906 untergebracht. Nach vorheriger Absprache kann auch eine Museumsführung mit einem Besuch der Produktionslinien in Mladá Boleslav sowie der Werke in Vrchlabí und Kvasiny oder mit einer Besichtigung des Geburtshauses von Ferdinand Porsche in Liberec-Vratislavice kombiniert werden.