Sparen mit Limit

Sparen mit Limit – zig Millionen Tonnen CO2. So viel blies der Verkehr 2025 in die Atmosphäre. Das ist eine Zahl des Umweltministerium – gemessen, belastbar, politisch brisant. Und doch bedient sich die Tempolimit-Debatte eines Taschenspielertricks. Denn was als harte Klimarechnung verkauft wird, ist nur zur Hälfte Physik, zur anderen Hälfte aber Prognose. Während die Emissionen tatsächlich gemessen werden, stammt das Versprechen ihrer Reduktion aus Modellen, Annahmen und idealisierten Verhaltensänderungen.
Jeder weiß, ein Auto verbraucht bei langsamer Fahrt weniger als bei schneller. Wie viele Fahrer wirklich langsamer fahren würden, wie stark der Verbrauch sinkt, wie sich der Verkehr verlagert – all das steht nicht fest. Sicher ist bislang nur eines: Der Gewissheit, mit der über die Wirkung gesprochen wird, fehlt die sichere statistische Basis.
Die Größe der Unschärfe zeigt sich bei einem Blick auf die Zahlen zur Auswirkung eines Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen. Die Einsparungen sollen 460 000 Tausend Tonnen CO2 pro Jahr belaufen. Andere Prognosen nennen Werte von einer Million Jahrestonnen CO2.
Die Voraussagen zu einer Kraftstoffeinsparung durch Tempolimit schwanken also entsprechend. Sie sollen zwischen einem und sieben Prozent liegen, da aber nur 71 Prozent der Emissionen des Verkehrs auf den Personenwagen entfallen, verringern sich die Prognosen aufs Sparpotenzial noch einmal – von weit unter 300 000 Tonnen.
Greenpeace versucht nun den statistischen Nebel mit einer anderen Sichtweise zu durchdringen. Sie blicken auf den Kraftstoffverbrauch eines Pkw und stellen sich vor, wie sich der Durchschnittsfahrer unter dem Einfluss des Limits die passende Strecke wählen und das Gaspedals bedienen könnte.
Ergebnis: Im Schnitt verfügt jeder Haushalt über 1,1 bis 1,3 Fahrzeuge. Je Pkw könnte jeder Haushalt mit dem Tempolimit so 15 – 45 Euro pro Jahr sparen, steht ein Diesel vor der Tür, natürlich mehr. Geschickt war es also nicht, mit dieser Milchmädchenrechnung das Thema zu befeuern. Die Einsparungen liegen demnach also bei unerwartet niedrigen Werten.
Wo liegt der Fehler? Churchill wird der Satz zugeschrieben: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“.


