Strom aus dem Strom

Strom aus dem Strom – Die Idee ist neu, aber nicht ganz: Schon immer ließ sich der Mensch von Wasserkraft unterstützen. Der Müller ließ seine Mühle am rauschenden Back klappern und sogar die Strömungsenergie von Vater Rhein wurde bereits im Mittelalter von sogenannten Flussmühlen genutzt, die über Stege an Land vertäut waren und Mühlräder vom fließenden Wasser antreiben ließen. Ähnlich wie ein Raddampfer, nur mit umgekehrten Ergebnis.

Das bayrische Unternehmen Energyminer hat diese Idee aufgegriffen und in effiziente Turbinenkraftwerke umgewandelt. Die ersten drei davon schwimmen nun seit vergangenem Wochenende bei Rheinkilometer 560 in Höhe von St. Goar und in Sichtweite des Loreleyfelsens am Grund des Flusses verankert im Wasser. Vom Strom lassen sie ihre doppelten Propeller antreiben, um aus dieser Drehbewegung mit Hilfe eines Generators elektrischen Strom zu erzeugen. „Energyfish“ nennen die beiden Erfinder und Akademiker Georg Walder und Richard Eckl die stählernen, rund 80 Kilogramm schweren Turbinengebilde, deren Zahl sich an dieser Stelle noch in diesem Jahr auf insgesamt 124 steigern soll. Damit entsteht das erste Schwarmkraftwerk der Welt.

Rund 1,5 Megawattstunden erzeugt einer der schwimmenden Generatoren im Jahr, mit einem Schwarm von 100 könnten so etwa 470 Haushalte mit elektrischer Energie versorgt werden. Das Mittelrheintal ist der ideale Standort dafür, hier wird die höchste Fließgeschwindigkeit des Stroms gemessen, sie liegt zwischen 6 und 10 km/h. Die 2,8 Meter langen und 2,4 Meter breiten Energiefische haben eine Maximalleistung von 6 kW, der Durchschnitt liegt bei 1,8 kW. Die Spannung innerhalb des Kraftwerks hat lediglich 60 Volt, um bei einer Beschädigung negative Auswirkungen auf Flora und Fauna und vor allem Menschen zu vermeiden. Gleichwohl beteuern die Konstrukteure, dass größten Wert auf den Schutz vor Treibgut, auch bei Hochwasser, gelegt worden sei.

Der Fischbestand wird ebenfalls nicht belastet, die Kraftwerke laufen nahezu lautlos und eventuell auftretende Schwingungen haben keinen Einfluss auf das Wohlbefinden der Kiemenatmer. Das haben aufwändige Untersuchungen der Universität München beim Testbetrieb eines Pilotanlage im Auer Mühlbach mitten in München ergeben. Im Rhein werden sie weit außerhalb der freigegebenen und von Bojen gekennzeichneten Schifffahrtsroute verankert, teilweise sind sie sichtbar, teilweise völlig vom Wasser überspült.

Egal bei welchem Wasserstand, weder für die Umwelt noch für die Schifffahrt bestehe bei keinem Betriebszustand Gefahr, so das Erfinder-Duo. Der Energyfish sei zudem anders als Strom- oder Windkraft grundlastfähig weil rund um die Uhr und mit konstanter Leistung in Betrieb.                                                                                                                                                                                             aum