Xiaomi – Vom Smartphone zum vernetzten Lebensraum

Xiaomi – Vom Smartphone zum vernetzten Lebensraum – Mit seinem bislang größten Auslandsauftritt zeigte Xiaomi kürzlich, wohin die Reise des Technologiekonzerns geht: Smartphone, Smart Home und Auto sollen zu einem einzigen digitalen Ökosystem verschmelzen.
Xiaomi ist längst mehr als ein Smartphone-Hersteller. Auf der IFA 2026 in Berlin macht der chinesische Technologiekonzern deutlich, wie weit die Entwicklung inzwischen reicht. Auf mehr als 3.300 Quadratmetern präsentiert Xiaomi über 380 Produkte und Technologien. Im Mittelpunkt steht dabei das Konzept „Human × Car × Home“ – eine Vision, bei der persönliche Technologie, das eigene Zuhause und das Auto nicht mehr isoliert voneinander betrachtet werden.
Die Idee dahinter ist einfach: Nicht der Mensch soll ständig zwischen einzelnen Geräten wechseln und diese bedienen müssen, sondern die Technologie soll zunehmend den Kontext verstehen und entsprechend reagieren. Künstliche Intelligenz übernimmt dabei die Rolle des verbindenden Elements.
Wenn das Auto mit dem Zuhause kommuniziert
Besonders interessant wird dieser Ansatz bei der Verbindung von Fahrzeug und Smart Home. Xiaomi demonstriert auf der IFA Szenarien, in denen beispielsweise Uhrzeit, Standort und Wetter berücksichtigt werden. Fährt der Nutzer nach Hause, könnte das System bereits vor seiner Ankunft die Beleuchtung einschalten oder die Klimaanlage entsprechend einstellen.
Auch im Haus sollen unterschiedliche Geräte stärker zusammenspielen. Ein einfacher Sprachbefehl wie das Ausdrucken eines gerade aufgenommenen Fotos kann mehrere Geräte zu einer gemeinsamen Aktion veranlassen. Beleuchtung, Vorhänge und Temperatur lassen sich wiederum auf bestimmte Aktivitäten wie Lesen abstimmen.
Damit will Xiaomi einen Schritt über die klassische Smart-Home-Steuerung hinausgehen. Die Zukunft soll nicht mehr darin bestehen, einzelne Geräte per App zu bedienen, sondern darin, dass KI Zusammenhänge erkennt und verschiedene Systeme koordiniert – allerdings ausdrücklich unter Kontrolle und mit Zustimmung des Nutzers.
Vom Smartphone auf vier Räder
Die ambitionierteste Erweiterung des Xiaomi-Universums findet sich auf der Straße. Seit dem Start von Xiaomi Auto im März 2024 wurden in China bereits mehr als 700.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Auf der IFA zeigt das Unternehmen mit dem SU7, dem SU7 Ultra und dem futuristischen Vision Gran Turismo gleich drei unterschiedliche Facetten seiner automobilen Strategie.
Der Vision Gran Turismo ist dabei weit mehr als eine Designstudie. Das elektrische Hypercar-Konzept soll zeigen, wie Xiaomi die Grenzen zwischen Automobil, digitaler Technologie und virtueller Welt interpretiert. Beim SU7 steht dagegen die Integration in das bestehende Xiaomi-Ökosystem im Vordergrund. Über HyperOS soll das Fahrzeug möglichst nahtlos mit persönlichen Geräten und dem Smart Home kommunizieren.
Der SU7 Ultra wiederum demonstriert, dass Xiaomi auch beim Thema Performance ernsthafte Ambitionen hat. Das Fahrzeug wurde auf der Nürburgring-Nordschleife entwickelt und validiert und stellte im April 2025 einen offiziellen Rekord in der Kategorie „Electric Executive Car“ auf.
Noch wichtiger für Europa ist allerdings eine andere Nachricht: Xiaomi hat auf der IFA Absichtserklärungen mit acht deutschen Autohandelsgruppen unterzeichnet. Damit werden erste Strukturen für Vertrieb und Service geschaffen. Der Markteintritt von Xiaomi Auto in Europa ist für 2027 geplant.
Smart Home als nächste Wachstumsstufe
Parallel dazu will Xiaomi seine Smart-Home-Marke Mijia in Europa massiv ausbauen. Mehr als 2.000 Produkte aus über 130 Kategorien umfasst das Portfolio mittlerweile. Von Haushaltsgeräten über Unterhaltungselektronik bis zu Sicherheitssystemen sollen die Produkte über ein gemeinsames Ökosystem miteinander verbunden werden.
Die technische Basis bilden dabei KI, IoT-Konnektivität und Xiaomis eigenes Betriebssystem. Auffällig ist zudem der Fokus auf Design: Mijia setzt auf eine bewusst reduzierte und möglichst unaufdringliche Gestaltung. Mehr als 500 internationale Designpreise sollen die Bedeutung dieses Bereichs unterstreichen.
Milliarden für die Zukunft
Dass Xiaomi diese Entwicklung langfristig anlegt, zeigt auch der Blick auf die Forschungsausgaben. Von 2026 bis 2030 will der Konzern mehr als 24 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Schwerpunkte sind unter anderem künstliche Intelligenz, Halbleiter, Betriebssysteme, Fahrzeuge, Robotik und Smart Manufacturing.
Damit verfolgt Xiaomi eine klare Strategie: Nicht mehr das einzelne Produkt steht im Mittelpunkt, sondern die Verbindung der Produkte. Das Smartphone wird zur persönlichen Schnittstelle, das Auto zum mobilen Bestandteil des digitalen Lebens und das Zuhause zur intelligenten Erweiterung. Ob diese Vision im Alltag tatsächlich so nahtlos funktioniert, wie es die IFA-Demonstrationen versprechen, wird sich allerdings erst zeigen. Sicher ist schon jetzt: Xiaomi will vom Gerätehersteller zum Anbieter eines umfassenden digitalen Lebensraums werden.


